Müllenbach, chronologische Geschichtsdaten

 

Liebe interessierte Leser, die chronologischen Geschichtsdaten der Ortsgemeinde Müllenbach haben in der Zwischenzeit einen Umfang von fast 530 DIN A4-Seiten (WORD) erreicht und sind somit für die Darstellung auf unserer Homepage zu umfangreich geworden. Der aktuellste Stand informiert Sie über sämtliche relevanten Informationen zur Ortsgemeinde Müllenbach seit der urkundlichen Erstnennung bis zum aktuellen Datum. Bei Interesse an dem Gesamtwerk, setzen Sie sich bitte mit dem Verfasser in Verbindung: Zu erreichen unter folgender E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Dieter Laux                                                                                               Stand: 25.06.2018

 

 

Die vorliegende Sammlung von Geschichtsdaten der Ortsgemeinde Müllenbach wird durch den Verfasser ständig nach neuesten Erkenntnissen aktualisiert.

 

 

Vor- und Frühgeschichte  Hallstattzeit = älteste Periode der Eisenzeit

 

700-500 v. Chr: Eine aus dieser Zeit (Hallstattzeit / älteste Periode der Eisenzeit) stammende Rasierklinge fand man westlich des heutigen Sportplatz (Auf der Höhe).

 Römisch-germanische und fränkische Zeit (bis 918)

 

 1. Jhd. n. Chr: Eine römische Brandgrabstätte aus jener Zeit fand man etwa 200 - 250 Meter südöstlich der Pfarrkirche im Distrikt „Rosenberg".

 

Hochmittelalter 919 - 1257

 1036 n. Chr: Wahrscheinlich erstmalig urkundliche Erwähnung Müllenbachs als „Michelembach sup Cumitato" (wird allerdings von Historikern angezweifelt). Erzbischof Poppo, Schirmvogt der trierischen Kirche soll hier Güter besessen haben.

 1052 n. Chr.: Erstmals erwähnt wird in einer Urkunde im Jahre 1052 der Wald Hochpochten. Erzbischof Eberhard von Trier schenkt hiernach dem Stift St. Martin in Münstermaifeld den Wald „Puthena".

 

Spätmittelalter  1257 - 1517

 1316 n. Chr: Müllenbach wird indirekt als zum Kirchspiel und Hochgericht Masburg gehörig genannt ( nicht urkundlich ).

 01.05.1333: Weitere urkundliche Erwähnung (siehe auch 1036n. Chr.), die Witwe des Heinrich von Molinbach, Aleidis, verkauft ihr mütterliches Erbe in Düngenheim für 100 Denare an das Kloster Stuben.

 1349 / 1350: Das Eifelland wird von einer verheerenden Seuche, der „Pest", heimgesucht. Auch die Orte unserer Umgebung werden nicht verschont.

 1357:  11.12. Der pfalzgräfliche Ort „Mollenbach“ wird durch Pfalzgraf Ruprecht I. zugleich mit dem „Hause Kaldenbrunnen“ (Kalenborn), Haurode (Hauroth) und „Gut Rode" (später Gerhardsroth) im  Gericht Mastbrecht (Masburg) an Ritter Konrad von Brohl, Syfrieds Sohn, verlehnt.

 1382: In den Akten des Klosters Maria Martental wird ein Jakob Friess von Mulenbach erwähnt, der dem Kloster eine Rente für ein Jahresgezeit schenkt. Siegler ist der Schultheiss von Kaisersesch, ein Beleg dafür, dass schon damals Müllenbach zum kurtrierischen Amt Kaisersesch gehörte.

 1382-1389: Johann von Klotten, Burggraf in Cochem (1363 - 1389), kauft eine Wiese zu Müllenbach.

 1482: Wird eine Wiese im „Frauenbornsiefen" (Hochpochten) an einen Müllenbacher verlehnt, er muss hierfür 2 Pfund Wachs an die Kirche in Polch abliefern.

 

Reformation und Glaubenskriege (1517 – 1648)

 1527: Auch in unseren Orten hat zwischen 1500 und 1650 die Hexenverfolgung ihren Höhepunkt erreicht. Nur wenige Akten und Urkunden berichten über diese schlimme Zeit, die bei näherer Betrachtung die mögliche Perversität menschlichen Denkens und Handelns zeigt. Für Müllenbach gibt es keine Unterlagen die von der Hexenverfolgung berichten, man muss jedoch davon ausgehen dass auch Bürger unseres Ortes nicht verschont wurden. In Ulmen z. B. werden am Donnerstag nach Aschermittwoch des Jahres 1527 vier Hexen öffentlich verbrannt. Weitere Hexenverbrennungen sind aus Kaisersesch, Gamlen, Kaifenheim und Düngenheim bekannt.

 1534: Wird von einem „doerfflein nudorff nit weit von Mollenbach gelegen" berichtet, welche Siedlung das heutige Neuhof sein dürfte.

Als 1534 auf der Burg Cochem wegen eines Weidestreites zwischen den Gemeinden Müllenbach und Ulmen verhandelt wird, bringen die Ulmener vor: „daß der und jener Büsch und Hecken gerodet und Wiesen und Äcker daraus gemacht und teils andere, teils sie selbst den Polcher-Erben Pacht dafür gezahlt hätten". Müllenbach entgegnet dem: „Daß wer in Hochpochten hauen und roden will, dies mit Willen derer von Polch tun muß, und daß die drei Schmiede von Ulmen viel Büsch und Hecken ausgehauen, die Plätze gerodet und Felder daraus gemacht" und „daß bis in die zweite Hälfte des 15.Jh. die Ulmener wohl anderthalb hundert Morgen gerodet und zu Feldern und Wiesen gemacht hätten". Diese Aussage bekräftigten sie durch die Zeugenaussage eines 80jährigen Zeugen aus Ürsfeld der zu Protokoll gibt: „In derselbigen hecken habe er Gezeuge und der Müllenbacher Hirte oft und viel mit ihrem Vieh gehütet".

 1543: Ein Weistum weist die Grafen von Virneburg als Hochgerichts - und Grundherren in Müllenbach aus. Der Ort wird vom kurtrierischen Amt Mayen verwaltet. Das Hochgericht Masburg ist im Alleinbesitz der Grafen von Virneburg. Wörtlich heißt es im Weistum: „Das Weistum des Hochgerichtsbezirks Masburg, bestehend aus den sieben Dörfern Masburg, Bermel, Hauroth, Laubach, Müllenbach, Eppenberg und Kalenborn, weist dem Grafen von Virneburg alle weltlichen Sachen zu, Gebot und  Verbot, den Glockenklang, den Vogel im Walde, das Wild im Walde und die Fische im Bache. Wenn in diesem Gebiet ein Antast geschieht, dann soll man den Gefangenen dem Grafen von Virneburg als seinem Gewaltherrn in dessen Gewahrsam überliefern, um von ihm verhört zu werden. Wird er übeltätig befunden, soll der Graf ihn bis an den behauenen Stein bringen lassen, daselbst sollen die von Masburg mit wehrhaftiger Hand erscheinen und den Übeltäter an das Gericht von Masburg liefern. Der Graf soll ihn dann nach seiner Überweisung richten lassen, jedoch ohne Schaden der Untertanen, doch was von Gehölz zu dem Gerichte für den Galgen fehlt, das sollen die Masburger aus ihren Wäldern holen, im Beisein der Schöffen und der Nachbarn. Die Schöffen weisen noch, sie hätten es von ihren Eltern hören weisen, dass Gott der Allmächtige ihr oberster Gewaltherr sein soll, danach der Graf von Virneburg als ein Lehnträger. Auch zeigen die Schöffen an, dass im Hochgerichtsbezirk Masburg sieben Dörfer gelegen, von denen zwei, das eine Eppenberg, das andere Kalenborn genannt, sich von ihnen abziehen und eine besondere Gerechtigkeit haben wollen, welche nie gewesen sei. Wer im Bezirk Feuer und Flamme unterhält, sich auch des Wassers und der Weide gebraucht, es sei gleich, wo er her ist, der ist dem Grundherr schuldig jedes Jahr zu geben: ½ Malter Hafer, ein Weideschaf wer Schafe hält, eine Weinfahrt wenn er Pferde hat, muss daneben auch andere Frondienste tun, zu Weihnachten eine Holzfahrt, zur Ernte einen Tag Gras mähen, ein Fastnachtshuhn, hat er aber keins, muss er einen Albus zahlen. Kommt Waffengeschrei in den Hochgerichtsbezirk, dann soll ein jeder Nachbar und Untertan seinem Herrn folgen soweit sich der Bezirk erstreckt. Wer dieses nicht tut, den überweisen sie der Gnade oder Ungnade des Herrn.

Das Sendschöffenweistum Masburg weist, dass die Grafen von Virneburg über 100 und noch mehr Jahren, seit Menschengedenken das Kirchspiel Masburg in Besitz hätten und das es Brauch gewesen sei, dass die früheren Sendschöffen ihr Weistum genauso gehandhabt hätten, wie sie es jetzt tun. Das Weistum weist auch die Pfarrangehörigen an, den hohen Thurm, das Beinhaus und die Ringmauer des Kirchhofes zu bauen und in Stand zu halten.“

 1545: Sterben die Grafen von Virneburg mit dem Tod Kuno von Virneburgs aus. Die eigentlichen Erben sind die Grafen von Manderscheid. Jedoch geht ein großer Teil der Besitzungen verloren.

 1548: Kurtrier bekommt die gleichen Rechte über Müllenbach wie vorher die Grafen von Virneburg.

 1555: Verbieten die "Adeligen Erben" (zu Polch) den Müllenbachern das Weiden der Geißen „auf pichtinger gewaeltds" (Hochpochtenwald), beim antreffen und „drüber farren" wird beschlagnahmt.

 1563: Älteste Notierung über die Einwohnerzahl von Müllenbach. Aus dem „Kurtrierischen  Feuerbuch" entnehmen wir 23 Feuerstellen (etwa einer Einwohnerzahl von 130 bis 150 Personen entsprechend).

 1576: Müllenbach (im Kirchspiel Masburg) wird vom kurtrierischen Amt Monreal und dessen Kellnerei (Finanzbehörde) verwaltet. Der Ort unterliegt der Zivilgerichtsbarkeit des Amtes Monreal.

 16. Jhd.: Hier heißt es zum „Gut Rode": „wird der Roider Hof genannt, bi Moillenbach gelegen, gehoirt dem von Bruynsberg zu". Es handelt sich hierbei um den späteren Hof „Gerhards Roth“ im Hochpochtenwald.

 1618: Bei einer Waldbereisung durch die Adeligen-Erben zu Polch beschweren sich die Gemeinden Ulmen, Laubach, Müllenbach und Eppenberg heftig gegen die von den Erben zugelassenen Rodungen im Bereich der „Mittleren- und Unteren Endert", weil sie darin eine Einschränkung und Behinderung ihrer Weiderechte sehen.

 1621: Wird in Müllenbach eine Kapelle erwähnt, die einen Altar besitzt, auch einen Kelch mit Zubehör und das wöchentlich das hl. Opfer gefeiert wird. Der Pfarrer in Masburg (Pfarrort) bedient die Kapelle in Müllenbach. Das Stift Karden, das den Pastor anstellte, überließ 1621 dem Seelenhirten in Masburg ein Drittel des Zehnten in Masburg, Maria Martental und Müllenbach. 1657 dieselben Angaben, zuzüglich 2 ½ Fuder Heu und das Stipendium von 12 Jahrmessen, a 6 Albus.

 1641: Gemäß einer vorliegenden Rechnung erhält ein Schmied aus Müllenbach das Holz zum brennen von Kohle aus dem Wald Hochpochten.

 

Zeitalter des Absolutismus  (1649 – 1789)

 1649: Erhält Simon Kliss, aus Müllenbach, für 40 Reichsthaler die Genehmigung zum Brennen von Pottasche im Hochpochtenwald wobei er „kein (dem Wald) schädliches, nur abfälliges Holz" verwerten darf.

 1657: Wird berichtet, dass die Kapelle in Müllenbach dem hl. Hubertus geweiht ist, der Kaplan von Masburg die hl. Messe zelebriert, dafür von der Gemeinde 13 Gulden erhält, aber den Messwein selbst stellen muss. Ferner wird vermerkt, dass das Vermögen der Kapelle aus 4 Morgen Land, 20 Gulden Kapitalien (wohl Stiftmessen), 4 Bienenstöcken, und einem Schafe besteht. Die Größe der Gesamtpfarrei Masburg (Masburg, Müllenbach, Laubach, Bermel und Kalenborn) wird mit 300 Kommunikanten angegeben.

 1676: Werden die Wiesen „Ronden Sohr", „Auf der Pletsch" und  „Im Motzenseifen" (alle Hochpochten) an drei Müllenbacher, auf 8 Jahre, mit der Auflage „sollten dieselben von bewachsenen Dornen ausbutzen", verlehnt.

 1680: Leben in Müllenbach 20 Familien, was in etwa der Personenzahl wie 1563 (130-150) entspricht. Erstaunlich trotz des Krieges und der Pestzeit. In Laubach z.B. werden 1563 15 Feuerstellen genannt, 1680 nur noch 5 Familien.

Ein Visitationsprotokoll berichtet über die Abtrennungsbestrebungen des Ortes von der Pfarrei Masburg. Müllenbach möchte eigenständige Pfarrei werden. „Die Abtrennungsbestrebungen liegen beim Bischof“ heißt es im Protokoll.

Die Müllenbacher Schöffen bitten um einen Schulbauplatz. Über die Ausführung der Pläne wird weiter nichts bekannt.

 1689: 20. Aug.: Verheerende Feuersbrunst in Ulmen. Die französischen Truppen sind eingezogen und haben den Ort in Brand gesetzt. Zahlreiche Ulmener Bürger werden gezwungen in den Hochpochtenwald zu flüchten. Sie hausen dort über einige Zeit in selbst erstellten Hütten unter ärmlichsten Bedingungen.

Die Franzosen fallen am 25. August in das nahe Cochem ein. Die ganze Stadt wird ein Raub der Flammen und fast alle Einwohner werden von den französischen Truppen getötet.

 1691: 09.Januar: Johannes Fischer aus Alflen wird auf dem jährlichen Dingtag bewilligt, „ein Mühlgen" (die spätere Fischermühle an der Mündung des Lessierbach in die Endert) „in der Endert, da die Bäche zusammenlaufen“ zu bauen. Die Pacht wird auf einen Gulden festgesetzt, jedoch später reduziert: „weilen dieselbige Platz ein solches verworfenes ödes Orth gewesen, daß von selbigem etwas zu gewinnen, viel weniger eine Mühle darauf zu setzen, allen menschen gleichsam eine Unmöglichkeit seye.....“.

Nach Dingtagsprotokollen bestehen damals schon folgende Mühlen: „die Perlemüll auch Prolingsmühle genannt sowie die Öhlmühle, und die Martental-Springiersbacher Mühle auf der Müllenbacher Seite, und die Wagenmühle bzw. Auderather Mühle auf der Auderather Seite, die bisher die umliegenden Dörfer versorgt hatten, so dass es für die neue abgelegene Mühle nicht viel Kundschaft gab.

 1695: In Unterlagen der Kellnerei (Finanzverwaltung) Mayen-Monreal wird erstmals der Schieferbergbau in Müllenbach als Abgabenpflichtig (Deckleyenzehnt) erwähnt.

 1703: 16 Müllenbacher Familien stiften Geld und Sachwerte um im Ort eine Vikarie zu errichten. Im einzelnen werden gestiftet: „150 Taler bares Geld, die 71/2 Taler Zinsen einbringen, Ländereien im Wert von 342 Talern, Wiesen und Pesche im Wert von 527 Talern und auswärtiges Feld im Wert von 377 Talern, ferner ein Wittumshof nebst Stall im Wert von 140 Talern dazu freies Holz und freie Viehweide, endlich von jedem Einwohner 2 jährliche Fahrten, die aber mit 12 Albus abgefunden werden können.“

 1704: 17. März: Die kirchliche Behörde errichtet die erste Vikarie zu Ehren der Hl. Hubertus und Antonius Einsiedler in Müllenbach. Der erste Vikar ist der Priester Jakob Heinrich Jäger, der vom Masburger Pfarrer in sein Müllenbacher Amt eingeführt wird. (Amtszeit:1704 - 1718)

08. Nov: Der Curat von Müllenbach, Jakob Heinrich Jäger, wird vom Kurfürsten zum Seelsorger für die Hochpochtener Hofleute bestimmt.

 1705: Werden Johann Fischer (Fischer Hof) und P.P. Gilles (Müllenbach), erlaubt, die so genannten „Medemsfelder" (heute Vorpochten) und Th. Wagner, Johann Welling die Felder auf „Gerhardsrodt" zu pachten. Ulmen sieht das als Angriff auf seine Lebensinteressen durch Einschränkung seiner Weidegerechtigkeit und Ackernahrung und eine Beeinträchtigung seiner Behölzigungsrechte. Kurzerhand lässt der Ulmener Kellner (eigentlich Finanzverwalter, hier wohl als Vertreter des kurfürstlichen Amtmannes tätig geworden) die neu erbauten Hütten der Höfer niederreißen.

Wird Johann Anton Stoll, geb. in Müllenbach, als Pfarrer in Kaisersesch genannt. Er verstirbt daselbst am 06.01.1731.

Zwischen Ulmen und Müllenbach entsteht ein Streit der Pfarrer, zu welcher Pfarrei die Hochpochtener Höfe gehören und viel wichtiger, an wen Diese ihre kirchlichen Abgaben zu leisten haben.

 1706: Als vorläufigen Höhepunkt des Streites zwischen Ulmen und Müllenbach zerstören Ulmener Bürger die Gebäude der Hofleute P. Faber und Th. Wellings (den alten Schulmeistern) auf dem „alten Roth" (in der Nähe des Höchstberges), 2 Häuser, 2 Scheunen, einen Backofen und einen Garten.

Ulmen erhält das alleinige Weiderecht auf „Reyersrodt" (Vorpochten). Die anderen Gemeinden dürfen den übrigen Wald in Hochpochten nutzen.

 1707: Die adeligen Erben (Polch) beschweren sich über die Gewalttaten der Gemeinden Müllenbach, Laubach und Eppenberg, die ihr Vieh ständig dort im Walde weiden ließen, wo sie kein Recht hätten (Reyersrodt).

Der Kurfürst genehmigt den Wiederaufbau der 1706 von den Ulmener Bürgern niedergerissenen Hütten, um Mensch, Tier und Ernte vor dem nahenden Winter zu schützen. Die Ulmener reißen auch die neuen Hütten wieder nieder und pfänden dabei auch noch die Flinte des Waldförsters.

Ende des Jahres pfänden Ulmener Bürger die zum „Nachecker" zugelassenen Müllenbacher Schweine in Hochpochten.

 1708: 8 Familien werden als im Walde Hochpochten ansässig gemeldet.

 1709: Der Kellner (Finanzverwalter) von Ulmen, Jacobi, zieht unberechtigt und mit Gewalt den Zehnt auf dem „Reyersrodt" (Vorpochten) ein. An dieser gewaltsamen Zehnteinnahme beteiligt sich auch der Pfarrer von Ulmen, der gleichfalls den Höfern die Fruchtgarben mit Gewalt entwendet.

 1711: Ulmen beantragt die Weidegerechtigkeit im ganzen Hochpochtener Bezirk wie „abgesteint."

Johann Welling aus Müllenbach wird als Nutzer der Schiefergrube (Steinmannskaul) in Hochpochten genannt. Im gleichen Jahr werden die von ihm geförderten Leien durch den Kurfürsten in Arrest gelegt, da Welling wohl den Zehnt hierfür nicht zahlen kann. Erst nach langen Verhandlungen bekommt er von der kurfürstlichen Kammer die Genehmigung in Hochpochten weiterhin Leien zu brechen.

 1714: Werden in Hochpochten folgende Höfe genannt:Auf den Rödern am Höchst mit Peter Faber als Hofmann / Auf den Rödern am Höchst mit Franz Schwarz als Hofmann / Gerhardsroth mit Franz Werner als Hofmann / Steinmannskaul mit Hermann Arends als Hofmann / Pützfeld mit Hans Stephan Prost als Hofmann / Pützfeld mit Johann Schneider als Hofmann / Hunel (oder Hundel) mit Friedrich Fischer als Hofmann, Sohn des Joh. Fischer / Mühle u. d. Weissebuch mit Johann Fischer als Hofmann / Maisfelder Hof mit Peter Fischer als Hofmann (Sohn des Johann Fischer) / Hof an der Straße mit dem Köhler Johann Berg.

 1715: Der Pfarrer von Alflen meldet an, dass auch er ein Recht auf die Seelsorge eines Teiles der Hochpochtener Höfe hat. Hier besonders bei dem Höfer und Müller Fischer, ehemals Alfler Bürger.

23.Sept.: Die Kurfürstliche Kammer ordnet an, dass der Kellner von Ulmen den Zehnt auf den Hochportener Höfen einziehen soll.

 1717: Die Müllenbacher Bürger werfen ihrem Vikar (Jakob Heinrich Jäger) vor, dass er offene Wirtschaft treibe, welches keinem Geistlichen anständig wäre, ferner, dass er die neulich angepflanzten Hofleute im ritterschaftlichen Wald Pochten anlocke, so dass sie selbst in ihrer Kapelle keinen Platz mehr finden.

 1718: 11.01.: Werden die Höfe in Hochpochten durch eine Erzbischöfliche Verordnung seelsorgerisch dem Curaten von Müllenbach zugeteilt.

 1721: Werden nach den Consistorialverordnungen von 1715 u.1720 die Hofleute Matthias Fischer und H. P. Fischer seelsorgerisch dem Alflener Pastor zugeschrieben. Sie entfallen somit der Seelsorge des Curaten v. Müllenbach.

Am 17.06 stirbt Nikolaus Miesen aus Müllenbach durch einen Felssturz im Bergwerk; er war vermutlich wenig über 20 Jahre alt, verheiratet und hatte 1 Kind.

 1723: Stimmt Müllenbach einem Vergleich zu, in dem der Gemeinde Ulmen das alleinige Weidrecht in Hochpochten zugesprochen wird und Müllenbach dafür Brennholz gegen geringe Bezahlung erhält. In der Folge halten sich die Müllenbacher Bürger nicht an den Vergleich, sie treiben ihr Vieh weiterhin nach Hochpochten.

Vikar in Müllenbach: Schmidt Matthias (geb. in Masburg), 1733 Erbauer der neuen Kapelle in Müllenbach, in der er auch beigesetzt wird (Amtszeit:1723 - 1744)

1724: Bei einer Neu-Verlehnung bekommt H. Arendt aus Müllenbach die Schiefergrube in Hochpochten, zunächst mit 3 Freijahren, mit Rücksicht auf die große Mühe und Kosten der Aufräumung der Anlage, zugesprochen.

Aus einer Kellnereirechnung von Mayen und Monreal geht hervor, dass aus Müllenbach folgende Zahlungen zu leisten sind: „Die Prolingsmühle zu Mühlenbach, 1 Sümmer Korn; Johann Fischer von der Mühle an der Niederendertsbach, 1 Malter Korn; Die Josephsmühle zu Mühlenbach, 6 Sümmer Korn; Die Gemeinde Müllenbach, 3 Malter und 4 Sümmer Gerste, 7 Hämmel und jede Ehe ein Huhn; Als Deckstein-Zehnten wird geleistet: 121 ½  Reiß, Fleckstein: 50 Reiß.“

 1725:In den Kirchenakten wird die Kaulenmühle erstmals erwähnt, als Nikolaus May aus Müllenbach am 16.10. 1725 in Masburg die Elisabeth Niederelz, seine erste Frau ehelicht. Hierbei wird in die Heiratsunterlagen eingetragen: „wohnen in der Mühle hinter Müllenbach“. Später wird die Mühle hinter Müllenbach als Kaulenmühle im Kaulenbachtal bezeichnet.

 1726: Der Vikar von Müllenbach wird angewiesen den genossenen Zehnten der Fischer -Höfe an den Pfarrer von Alflen zu erstatten. Hierüber entsteht ein Rechtsstreit der Pfarrer vor der Nuntiatur in Köln.

 1728: Im Sterbebuch der Müllenbacher Kirche wird am 13. März 1728 der Lehrer Johann Georg Molitor erwähnt. Der Eintrag lautet: <Lehrer in Monreal, er hat die Kinder in Müllenbach unterrichtet und wird in Müllenbach begraben>

 

1729: Am 19.12. findet man am Schieferbergwerk „die Oberkaul“ genannt, den toten Körper der Maria Margaretha Pörling aus Müllenbach. Man nimmt an, dass sie auf dem Rückweg von Cochem kommend am 17.12. hier gestürzt ist und dadurch den Tod gefunden hat. Sie war Mutter von 5 Kindern.

 1732: Weist die Nuntiatur in Köln an, dass der Vikar in Müllenbach die Seelsorgepflicht in „ganz Hochpochten" behält, der Pfarrer von Alflen die Kosten des Rechtsstreites zu tragen hat.

 1733: Neubau der Kapelle in Müllenbach. Der Ort ist gewachsen, zudem besuchen die Gläubigen aus Laubach und Hochpochten die Messe. Der Neubau (Kirchenschiff) hat die Maße 21 X 21 Fuß (ca. 7 x 7 m). Es fehlen jedoch Beichtstuhl, Orgel und Sakristei.

 1734: Der Pfarrer von Alflen erreicht beim Kurfürsten eine Verfügung wonach dem Pastor von Müllenbach die Seelsorge in Hochpochten untersagt wird. Dieser wendet sich wieder an die Nuntiatur in Köln, die endgültig den Pfarrer von Müllenbach als Seelsorger für die Höfe in Hochpochten bestätigt unddem Pastor von Alflen unter Androhung der Exkommunikation die weitere Belästigung des Müllenbachers verbietet.

Nikolaus Klasen, aus Masburg, wird als Oberförster in Hochpochten eingesetzt.

 1738: Wird flüchtig über den Tod eines früheren Lehrers Johann G. Molitor berichtet. Ob es sich hierbei schon um einen Lehrer des 1680 geforderten Schulbaus handelt, kann nicht ermittelt werden.

 1739: Wird der Amtsverwalter von Cochem beauftragt, auf den Höfen (im Hochpochtenwald) zu requirieren und ohne längeres Verweilen alle in Hochpochten befindlichen Beisassen (Kinder der Höfer, die nach ihrer Hochzeit mit der Familie auf dem Hof geblieben sind) wegschaffen zu lassen.

Versucht ein Mann aus Müllenbach ohne Genehmigung eine 2. Mühle (neben der Fischer-Mühle) in Hochpochten zu bauen. Da er sich jedoch mit den adeligen Erben nicht einlassen will, reißt er später die schon erstellten Grundmauern wieder ein.

Wieder werden die Abtrennungsbestrebungen des Ortes von der Pfarrkirche Masburg vom geistlichen Gericht abgewiesen.

 1741: Wird erstmals die Kolfenmühle in der Endert mit ihrem Besitzer Matthias Kolf genannt. Später, nach der Übernahme der Mühle durch Servatius Arenz (1750), wird die ehemalige Kolfenmühle als Zirwesmühle bezeichnet. Sie liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Müllenbach-Mündung in die Endert.

Nikolaus Klasen, aus Masburg, wird aus dem Amt als Oberförster in Hochpochten entlassen, zum einen, wegen der großen Entfernung von Hochpochten bis Masburg, wo er wohnt, zum anderen aber auch, wegen der groben Unterschlagungen und Holzfrevel, die er mit seinen beiden Waldförstern begangen hat.

 1743: Da sich die Hofleute in Hochpochten ihrer Pflicht entziehen den Zehnt an den Pfarrer von Müllenbach abzuliefern, ziehen die Müllenbacher Bürger unter „vorhergehendem Glockenschall von dasigem Bürgermeister angetrieben" in Hochpochten ein und rauben dem Hofmann Diedrich Alflen (Gerhardsroth) 21 Garben Korn mit Gewalt vom Karren. In der darauf folgenden Untersuchung berufen sich die Müllenbacher auf den Befehl ihres Hochwürdigen Herrn Pfarrer. In der Folge schließen die Hofleute von Pochten einen Vertrag mit den Müllenbachern zur jährlichen Lieferung von 18 Maltern Korn und Hafer, je zur Hälfte. Die Pochtener erkaufen sich so einen kirchlichen Anschluss in Müllenbach.

 1746: Zu den Lieferungen der Hochpochtener Höfer an Müllenbach aus dem Vertrag vom Oktober 1743 kommen nun nochmals 10 Rtlr. jährlich hinzu.

 1747: Wird eigens für die Höfer aus Hochpochten in der Pfarrei Müllenbach ein Pfarrbuch angelegt. In diesem sind vermerkt: 5 besiedelte Villen: Pützfeld, Hohenpochten, Steinmannskaul, Girratsroth und Hunolt

 1749: Vikar in Müllenbach: Esch Heinrich ( geb. in Prüm)  ( Amtszeit:1749 - 1769 )

 1751: Wiederum geht ein Gesuch des Ortes um Abtrennung von der Pfarrei Masburg an das Koblenzer Offizialat. Am 23.12.1751 kommt die Anweisung, dem Schreiben von 1739 nachzukommen, mit dem Befehl, dass der Pastor oder sein Kaplan von Masburg aus im Winter die hl. Sakramente in Müllenbach spende. Im Auftrag der Behörde, muss der Pastor von Retterath als Kommissar fungieren.

 1759: In den speziellen Pfarrbüchern für die Höfer in Hochpochten werden in diesem Jahr zwei weitere Höfe genannt. Auch sie werden unter der Pfarrei Müllenbach geführt. Es sind: Schwarzenhof und Hoechst (Hoechsterhof  von 1732)

 1765: Wird die Fischermühle, oder besser die Reste der ehemaligen Fischermühle, durch Hochwasser völlig verwüstet und muss gänzlich erneuert werden.

1769: Vikar in Müllenbach: Gilles Bartholomäus (geb. in Müllenbach), tritt in der Folge auch handgreiflich für die „Rechte" der Müllenbacher ein. (Amtszeit: 1769-1786)

1771 / 1772 wird auch ein Rhein, Johann Peter (geb. in Metternich), als Vikar in Müllenbach genannt.

In Hochpochten werden 94 Seelen auf den Höfen und Mühlen ansässig gemeldet.

Auf dem Steinmannskauler Hof in Hochpochten wird Anton Alflen mit seiner  Frau und 2 Kindern, 2 Mägden, 1 Hütejunge als ansässig gemeldet. Er besitzt 14 Rinder und 10 Schweine.

Es werden fünf Höfe in Hochpochten aufgelöst. Da die Zehntzahlungen an die Müllenbacher Kirche aus dem Vertrag von 1743 und 1746 für den Rest der Höfe gleich bleiben, ist ein Konflikt mit den Hofleuten abzusehen. Sie weigern sich, die weiterhin gleich gebliebenen Zehntzahlungen zu leisten.

Nach Auflösung der Höfe werden nur noch 37 Seelen als in Hochpochten wohnhaft gemeldet.

 1770: Nachdem Oberförster Michels den Müllenbacher Schweinehirten zum dritten mal wegen unerlaubten Weidens in Hochpochten zur Rede stellt, wird er von 6 bis 7 in der Nähe befindlichen Müllenbachern, unter denen sich auch der örtliche Bürgermeister befindet, umringt und trotz seiner Drohung zu schießen, so geschlagen, „dass ihm nur das Dazwischengehen eines Mannes aus Laubach das Leben rettet."

 1771: Die Gemeinde Müllenbach klagt (und verliert) vor dem Amt in Cochem auf das Weiderecht im Hochpochtenwald.

 1773: Brennt die Zirwesmühle im Enderttal, an der Mündung des Müllenbachs, ab. Für den Wiederaufbau erhält der Müller (Servatius Arenz) Vergünstigungen, wie Holz und Decklatten zur Errichtung des Strohdaches.

Beschreibt der Klottener Schultheiß Johann Peter Bathasar den Jagdbezirk des Klosters Brauweiler an der Mosel und in der Eifel. Hier heißt es unter anderem:  „……die Eltz hinauff biß an die Lohnbrücke an der Landstraß, der Landstraß nach durch Dünichheim biß an die Eschersforth, von dannen auff Maßburg, über Laubach undt Müllenbach in die Enderth, die Enderth herunter biß Cochem uff die brücke,…..“

 1774: Klagt Vikar Gilles bei den „Adeligen Erben" über den Oberförster Michels, der ihn: „in ein Haus gelockt, dort bedroht und beschimpft habe und ihm im Wald auflauere, so daß er seines Lebens nicht mehr sicher sein könne.“ Dem entgegnet der Oberförster, er habe den Herrn Pastor bestellt, ihm die 5 Knopfstücke abzufordern, die er auf dem Dingtag wegen der gestohlenen Reiser für ihn ausgelegt habe. Hierbei wäre der Vikar Gilles handgreiflich geworden und hätte ihn unter den Schimpfworten „Hundspfott und Scheisskerl" aus dem Hause gejagt.

 1775: Die Gemeinde Müllenbach klagt (und verliert) vor dem Hofgericht in Trier auf das Weiderecht im Hochpochtenwald. Die Müllenbacher Bürger denken jedoch nicht daran sich an das gesprochene Urteil zu halten. Am 09. Juli pfändet Ulmen zwei und am 18. Juli einen Ochsen der Müllenbacher Hirten.

In den Pfarrakten werden weitere Höfe / Mühlen genannt, deren Bewohner in Müllenbach ihren kirchlichen Pflichten nachgehen. Es sind dies: Maisfeldermühle, Kolbsmühle, Wagenmühle, Kotteborn, Schulmeisterhof auf Hohenpochten, Stollenhof und Meyersmühle. Niemand kümmerte sich um die eigentlich festgelegte Zugehörigkeit, die Leute gehen nach Müllenbach zur Kirche und lassen sich auch dort beisetzen.

 1776: Pastor Gilles (gebürtiger Müllenbacher) und die Gemeindsleut werden wegen Holzdiebstahl (Frevel) zu einer Geldstrafe von 15 Rtlr. verurteilt. Die Strafe, auf 10 Rtlr reduziert, ist 1780 noch nicht bezahlt. „Die Müllenbacher behaupten, sie wären dem Pastor das Holz zu fahren schuldig und hätten selbst nicht gewusst dass es gestohlen war".

 1777: Kommt es wegen der Weide in Hochpochten zwischen Bürgern von Ulmen und Müllenbach zu Gewalttaten.

 1779:Im Januar 1779 wird der Waldförster M. Faber in der Abenddämmerung von Laubacher Holzfrevlern derart misshandelt, dass er drei Monate später, nach langem Krankenlager, stirbt.

Werden 3o Kinder aus Müllenbach genannt, die „zu einem liederlichen Mann, der sich nie dem Pfarrer gezeigt hat", in die Schule gehen. “Dieser empfängt von jedem Bürger, derer bey 50 sind, 1 Sester Korn. Von jedem Kind Schulgeld 12 ½ Albus.“ Wenn dieser Lehrer zugleich die Glöcknerdienste versieht, welche jetzt in der Gemeinde umgehen, so erhält er bey jedem Begräbnisse 2 Brote. Neben den 30 Müllenbacher Schülern besuchen auch 6 Kinder aus Laubach den Schulunterricht in Müllenbach.

1781: bis 1783 erwirbt der Kölner Kaufmann Paffrath die Abbaurechte für Schiefervorkommen in Müllenbach. Er beauftragt mit dem Abbau Karl Rido (Rideaux) aus Fumay in Frankreich. Rido (Rideaux) bringt viele Verwandte aus Fumay mit. Die französischen Schieferbrecher haben wertvolle Kenntnisse im Schieferbergbau und sorgen mit ihrem Fachwissen für einen Aufschwung des Bergbaus in unserer Region. Seither tauchen in den Kirchenbüchern von Müllenbach viele französische Namen auf: Lefevre, Allard, Bourgeoise, Dardenne, Doudoux, Goffart, Pasfort, Regnier, Sarde, um nur einige zu nennen.

 1783: Werden die Hochpochtener Hofleute vom Appellationsgericht endgültig dazu verurteilt ihren Zehnt nach Müllenbach abzuliefern. Hiernach sind die Bepfarrungsverhältnisse in Hochpochten für die Dauer der Kurfürstlichen Herrschaft abschließend geregelt.

 1784: In Müllenbach leben 66 Bürger (Familienoberhäupter) in 65 Häusern, dass entspricht etwas weniger als 400 Personen. Im Bann von Müllenbach sind 619 Morgen Ackerland und 93 Morgen Wiese erfasst.

 1785: In einem Visitationsprotokoll der Pfarrei Masburg wird der Müllenbacher Bürger Niclas Stoll als Sendschöffe genannt. Es ist vermerkt, dass Stoll dieses Amt schon 6 Jahre bekleidet.

 1786: In Müllenbach werden Bürgermeister, Geschworene und ein Spiessförster genannt.

Aus Kirchenakten der Pfarrkirche in Pommern (1106 erbaut) geht hervor, dass anlässlich der Restaurierung des Kirchendaches 1786 125 Reis Dachschiefer aus den Gruben bei Müllenbach geliefert werden. Aus Zell, wahrscheinlich Altlay, dagegen nur 15 Reis.

 1787:Im Jahre 1787 zählt Laubach 106, Müllenbach 188 Einwohner.

Peter Alflen übernimmt den Gerhardsrother Hof in Hochpochten gegen eine Pachtzahlung von 27 Reichstalern.

 1788: Erhält Müllenbach wieder ein, wenn auch begrenztes, Weiderecht im Hochpochtenwald.

Als Bürgermeister in Müllenbach wird „Anthon Ollig“ genannt. Als Geschworene sind erwähnt: „Joannes Alflen“ und „Mathias Wilhelmy“.

Vorrätiges Brandgeschirr in der Gemeinde: „36 Leder Eymer, 3 Brand Hacken, 2 Leyderen, 1 Wasserspritz.“

In Müllenbach leben 60 Bürger (Familienoberhäupter).

 

Napoleonische Zeit  ( 1789 – 1815)

 1789: In Müllenbach leben 62 Bürger (Familienoberhäupter).

Die Amtsbeschreibung des Oberamtes Mayen von Karl Kaspar und Urban Meesen berichtet über Müllenbach:

„Der Boden ist fauler, kaltgründiger Beschaffenheit. In der Gemarkung dieses Ortes werden die wegen ihrer Güte und schönen blauen Farbe sehr bekannten Deckleyen gebrochen. Die Haupt-Nahrungsquelle der Bürger ist Ackerbau und die Viehzucht. Hat einen lang wierigen Process mit der Gemeind Ulmen in Betreff der Mitweide in Hohenpochten. Zehentherr ist das Stift Karden. Zur Jagd ist das Erzstift Trier, Graf von der Lay und Eltz und zur Schafweid allein die Gemeind berechtigt.“

Vikar in Müllenbach: Thelen Johann, (geb. in Monreal)  ( Amtszeit:1789 - 1802 ).

In der Ortsmitte von Laubach wird eine neue Kapelle gebaut. Da der Bauplatz eine sumpfige Wiese ist, muss das Fundament auf eingeschlagenen Holzpfählen gegründet werden. Die Herren Klee, Erbauer der neuen Kirche, richten eine Stiftung ein um an jedem Sonntag eine Frühmesse auszurichten.

 1790: In Müllenbach werden 63 Bürger (Familienoberhäupter) genannt.

 1791: In den Akten des Kloster Springiersbach sind am 27.09 die Versteigerung von 1,29 ha. Ackerland an den Müllenbacher Landwirt M. Steffen verbucht.

 1794: Nach der Annektierung durch Napoleons Truppen wird Müllenbach der Mairie (Amtsverwaltung) Kaisersesch zugeordnet.

 1802: Vikar in Müllenbach: Pauli Peter Joseph ( geb. in Maring) ( Amtszeit:1802 - 1805).

Das Jahr 1802 wird als sehr unfruchtbar verzeichnet.

 1804: Ab dem 21. Juli hat es fast 30 Stunden lang stark geregnet und ständig gedonnert. Die Bäche der Region schwellen stark an und treten über die Ufer. Man hört von der Ahr, dass hier viele Häuser von dem Hochwasser mitgerissen wurden.

 1805: Vikar in Müllenbach: Reichards Philipp, (geb. in Demerath) 1. Pfarrer in Müllenbach (Amtszeit: 1809 -1818)

 1806: Napoleon erlässt ein Dekret, nach dem ab dem 01. Januar 1806 der republikanische Kalender (französischer Revolutionskalender) endet und die gregorianische Zeitrechnung (weltweite Zeitrechnung) beginnt.

Haben alle Bemühungen der Müllenbacher Bürger, endlich eigener Pfarrort zu werden Erfolg. Müllenbach wird von Masburg abgetrennt und zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Die neue Pfarrei gehört zum Bistum Aachen. Müllenbach zählt zu diesem Zeitpunkt 390 Seelen.

Erster Pfarrer wird Philipp Reichards, der am 6.5.1754 in Demerath geboren ist und am 27.3.1784 in Trier ordiniert. Seine Amtszeit in Müllenbach dauert von 1805 bis 1818. 1805 legt er die Kirchenbücher an und legiert auch 2 Jahrmessen. Nach seiner Pfarrstelle in Müllenbach geht er 1818 nach Düngenheim, wo er am 11.12.1830 verstirbt.

 1808: Werden im Bann von Müllenbach 87 ha Ackerland, 30 ha Wiesen und 72 ha Wald angegeben. Größe des Gemeinde-Bannes 428 ha.

In den Schiefergruben werden 25 Arbeiter beschäftigt, die in diesem Jahr 2070 Reis Schiefer mit einem Verkaufswert von 6.240 Franken fördern.

Nach Entweihung der Kapelle in Martental kommt die Glocke der Kapelle nach Müllenbach. Sie dient hier lange als Schul - und Feuerglocke.

 1810: (05.03.1810) In Müllenbach wird Johann Theodor Regnier geboren. Er ist später ein sehr angesehener Rechtsanwalt in Trier. Dr. Theodor Regnier verteidigt 1848 Karl Grün in dem berühmten Hochverratsprozess. Er war stets ein überzeugter Katholik. Der berühmte Trierer Kirchenhistoriker Franz Xaver Kraus bezeichnete Regnier neben dem späteren Bischof Eberhard als die „glänzendste geistige Potenz, die Trier im 19.Jhd. aufzuweisen hatte. Wäre er Priester geworden, so hätte die deutsche Kirche in ihm eine Kraft ersten Ranges und einen Prediger von wundersamer Beredsamkeit gewonnen". Regnier ist somit wohl einer der bekanntesten Söhne unseres Ortes. Er stirbt am 06. März 1859 im Alter von 49 Jahren an einem Herzleiden.

Laubach geht als Filiale in die  Pfarrei Müllenbach über.

 1814: Am 01. Januar setzen die verbündeten Armeen der Deutschen bei Kaub über den Rhein. Die französische Besatzungsarmee wird aus dem Linksrheingebiet vertrieben. Müllenbach verbleibt, nach der Vertreibung der Franzosen, bei der nun preußischen Bürgermeisterei Kaisersesch, die dann später Amtsverwaltung wird.

 

Restauration und Revolution (1815 – 1850)

 1815: Am 10. April explodiert auf der indonesischen Insel Sambawa der Vulkan Tambora. Die Aschewolke, die hierbei entsteht, verdunkelt die Atmosphäre und lässt selbst in Europa den Sommer ausfallen. So sind die schlechten Ernten, der lang andauernde Winter und die darauf folgende Hungersnot in den folgenden beiden Jahren zu erklären.

Viele Einquartierungen durch die preußische Armee auf ihrem Feldzug gegen Frankreich. Die Bevölkerung hat arg zu leiden, auch unter der Abgabe der Kriegssteuer die von jedem Bürger verlangt wird.

 1816: Ein sehr harter Winter in der Eifel, der Schnee liegt bis in den Juni. Die Ernte kann erst im Oktober nur teilweise eingebracht werden, da der neue Frost den größten Teil der Ernte zerstört hat. Die Herbstsaat verzögert sich bis auf Ende Oktober. Die Witterung ist durch das ganze Jahr überaus schlecht.

Wird in der Pfarrei Müllenbach (mit Laubach und Leienkäulchen) eine Schule mit einer Lehrperson genannt. Die Schulchronik Laubach schreibt: „Von einer eigentlichen Schule war keine Rede. Manche Kinder besuchten wochen- ja monatelang keine Schule, und es war auch keine Seltenheit, dass Kinder nicht einmal ihren Namen schreiben lernten.“

 1817: Einwohnerzahl in Müllenbach 392 (alle Einwohner römisch/katholisch).

Durch die schlechte Ernte im letzten Jahr und den harten Winter entsteht in Müllenbach sowie in den anderen Orten der Eifel eine unbeschreibliche Hungersnot.

Der Preußische König Friedrich Wilhelm III. erlässt ein Dekret, wonach alle Pfarrer von Einquartierungen und Gemeindeabgaben befreit werden.

In diesem Jahr machen sich die Folgen der schlechten Saatbedingungen des vergangenen Jahres bemerkbar. Es gibt nur wenig zu ernten. Sogar die gut bemittelten Bürger haben kaum genug Brot zum Essen. Es wird größte Not in der Region gelitten und viele haben lange Monate kein einziges Stück Brot im Haus. Man ernährt sich von Kräutern und Wurzeln, welche man sonst nie zum Verzehr genommen hätte. Der Preußische König lässt über 10.000 Malter Korn von der Ostsee in die Rheinischen Provinzen bringen und hier zu geringem Preis verkaufen. Das sichert vielen Bürgern das Überleben in dieser armen Zeit.

Am 5. Dezember fasst man im Waldgebiet von Hochpochten 3 von 9 Bandenmitgliedern der so genannten „Alfler Bande“ die im Verdacht steht, am 21. November des Jahres den Pfarrer von Kaifenheim heimtückisch ermordet zu haben. Weitere 5 Mitglieder der Bande werden in Alflen gefasst.

 1818: Pfarrer in Müllenbach: Schmitt Johann Heinrich, (geb. in Ransbach) (Amtszeit:1818 - 1824).

Die Witterung in diesem Jahr vortrefflich. Endlich kann von den Bauern wieder eine halbwegs reichhaltige Ernte eingefahren werden.

1819: Am 07. Dezember wird mit dem 2-jährigen Matthias Klasen, Sohn des Peter Klasen (Nr. 2441 OFB), der erste Tote auf dem von Pastor Schmitt neu eingesegneten Friedhof im Holzweg bestattet. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich der Friedhof als so genannter „Kirchhof“ im Umfeld der Pfarrkirche.

Das Jahr dürfte als sehr fruchtbar bezeichnet werden, wenn nur mehr Regen für Grundwasser im Sommer gesorgt hätte. Die große Hitze und Trockenheit schadet dem Land.

 1821: Gute Fruchtbarkeit auch in diesem Jahr. Die Winter- und die Sommerfrüchte sind gut gewachsen und bieten einen sehr befriedigenden Ertrag. Auch Obst und Gemüse sind reichlich gewachsen. Das Vieh auf den Weiden hat gut zu Fressen.

 1822: Die Brandordnung des Kreises Cochem sieht im Paragraph 3 vor, dass ab sofort die Ausführung von Strohdächern auf neu zu erstellenden Häusern verboten ist. Auch größere Reparaturen an Strohdächern dürfen nicht mehr ausgeführt werden. Die Dacheindeckung ist nur noch mit Lehmziegeln oder Schiefer auszuführen.

 1823: Am 04.09 stirbt Johann Arenz aus Müllenbach, 41 Jahre alt, Ehemann von Anna Maria Wilhelmi, Vater von drei unmündigen Kindern, durch einen Steinschlag in der Schiefergrube. Mit ihm zusammen stirbt sein Gehilfe Johann Ostermann aus Eppenberg.

Ein feuchtes Jahr. Wenn Ende August und im September nicht die große Hitze gewesen wäre, wären die Sommerfrüchte nicht reif geworden. Mit der Ernte ist man aber allenthalben zufrieden.

 1824: Pfarrer in Müllenbach: Steffes Franz Joseph, (geb. in Alflen) (Amtszeit:1824–1845). Die Pfarrei Müllenbach wird dem Bistum Trier zugeteilt.

Etwa 18 – 20 Kinder aus Laubach besuchen die Schule in Müllenbach.

Am 30. Und 31. Oktober sehr starker Regen, der die Bäche und Flüsse über die Ufer treten lässt.

 1825: Am 08.01 stirbt Johann Bantes aus Müllenbach, Ehemann von Christina Exius und Vater einer 2 Monate alten Tochter, durch Steinschlag in einer Schiefergrube.

Johann Arenz (Arentz) stirbt beim Einsturz der Grube „Hoheley", seine Leiche kann nicht geborgen werden. Die eingestürzte Grube wird danach nicht mehr bearbeitet.

 1826: Johann Arenz und Anna Margaretha, geb. Ollig, verpachten am 29.09.1826 an Martin Schneider sen. Die von Johann Ollig geerbte Schiefergrube, die Escherkaul.

 1827: Wird die Pfarrei Müllenbach dem Dekanat Cochem zugeteilt.

Auf der Escherkaul wird das erste Stollenbergwerk im linksrheinischen Schiefergebirge angelegt. Da die Schieferbrecher bisher immer in dem Glauben waren, dass, wenn man zu tief in den Berg eindringt, man irgendwann auf die „Hölle“ stoßen wird, ist man nie auf den Gedanken gekommen einen tiefen Stollen anzulegen. In diesem Jahr ist es nun soweit, ein Wagnis sondergleichen für die Betreiber. Dieses erkennt man auch an der Bezeichnung für das erste Stollenbergwerk im Kaulenbachtal, die Grube heißt „Höllenpforte“.

 1829: Am 03.03 stirbt Peter Josef Gerhards aus Müllenbach, 35 Jahre alt, Ehemann von Anna Sophia Schmitz und Vater eines minderjährigen Kindes durch Steinschlag in der Schiefergrube.

Am 13.03 stirbt Matthias Fischer aus Müllenbach, Ehemann von Anna Margaretha Krämer, Vater von 2 Kleinstkindern und eines noch nicht geborenen Kindes durch Unglück im Schieferbergwerk.

Ebenfalls am 13.03 stirbt Matthias Fricker an Verletzungen, die er durch Steinschlag im Bergwerk erlitten hat.

Das ganze Jahr zeichnet sich durch durchweg schlechtes Wetter aus. Anfangs sehr kalt und hoher Schnee, ansonsten feucht, regnerisch und stürmisch mit viel Hochwasser. Am Ende wieder strenge Kälte. Heu und Früchte mussten feucht eingefahren werden.

 1831: Wird vom Förster Kick (Förster in Hochpochten) beantragt, Hochpochten in die Pfarrei Müllenbach einzugliedern. Dieses wird vom Pfarrer Burkard in Ulmen abgelehnt, vom Pfarrer Steffes in Müllenbach jedoch sehr befürwortet.

Die Gemeinde Laubach kauft in diesem Jahr ein Haus in der Ortsmitte, neben der Kapelle, welches als Schulhaus mit integrierter Lehrerwohnung (dürftig) dient. Die 18 – 20 Laubacher Schüler, welche im Sommer die Schule in Müllenbach besuchten, können jetzt in ihrem eigenen Ort die Schule besuchen und müssen nicht mehr nach Müllenbach laufen.

Ein Großbrand in Ulmen ist in aller Munde. Am 31. Oktober, des Nachts gegen drei Uhr,  wird durch Unachtsamkeit ein Brand entfacht, der am Ende neun Häuser, acht Scheuern und zwanzig Stallungen in Schutt und Asche legt. Menschen werden keine verletzt, jedoch sind 34 Seelen ohne Wohnung.

 1832: Einwohnerzahl in Müllenbach 550. (140 Familien)

09.10.1832: Die Regierung in Koblenz und der Bischof in Trier sprechen die Genehmigung zur Umpfarrung Hochpochtens in die Pfarrei Müllenbach aus. Das Kirchenvermögen wird angegeben mit: einem Hof, (Gerhardsrother Hof, ehedem Eigentum d. St. Anna Altars in Adenau) mit 23 Morgen Acker, 10 Morgen Wiesen und 16 Morgen Wildland. Der Hof bringt für die Kirche eine Pacht von 42 Talern.

In den Kirchenbüchern wird besonders betont, dass in diesem Jahr wieder eine Pilgerfahrt nach Trier zum Grabe des hl. Apostels Matthias stattfindet.

Der Pastor urteilt über seine Schäfchen: „Der Kirchenbesuch ist gut, man hält Andachten in der Fastenzeit und im Mai; die moralische Haltung bezeichnet er als mittelmäßig, dreimal Tanz, an der Kirmes, am Sonntag vor Fastnacht und Ostermontag."

Wird in Müllenbach Phil. Reichard als Schullehrer genannt, mit dem der Pfarrer zufrieden ist.

 1839: Bewilligt die preußische Verwaltung der Gemeinde Müllenbach die Abhaltung von 2 Kram - und Viehmärkten (am 4. Dienstag nach Ostern und am 2.Montag vor Bartholomäus (24. August).

Der Glockengießer Matthias Schmitz aus Müllenbach gießt 2 Glocken für die Kirche in Lütz.

Am 15.08 stirbt Urban Hölzer aus Müllenbach, 36 Jahre alt, Ehemann von Maria Elisabeth Welter durch Steinschlag in der Schiefergrube. Er hinterlässt drei Kleinkinder und eine schwangere Frau.

In den Kirchenakten der Gemeinde Müllenbach finden wir erstmals einen Hinweis auf die „Brücksmühle“ im Kaulenbachtal.

 1840: Einwohnerzahl in Müllenbach 715 (im Banne von Müllenbach auch 4 Mühlen, mit 23 Einwohnern und eine Leienkaul mit 12 Einwohnern vermerkt), 115 Häuser befinden sich im Ort.

Erste Pläne für eine neue Kirche werden erstellt.

Am 14. Juni feiert Pfarrer Burkart in Ulmen sein 50. Priesterjubiläum. Aus Nah und Fern strömen die Menschen zu dem Feste. Auch Müllenbacher Bürger machen dem Ulmener Pfarrer ihre Aufwartung. Fast 9.000 Menschen nehmen an dem feierlichen Umzug zu Ehren des Jubilars teil. Ein Fest, wie es die Umgebung noch nie gesehen hat.

Auf den Schiefergruben im Bereich Müllenbach werden insgesamt 7.910 Reis (18.340 Meter) Rohschiefer gefördert und verarbeitet, der Verkaufspreis pro Reis beträgt 1,5 Thaler.

 1841: In Ulmen wird feierlich und unter großer Beteiligung des Volkes die von Matthias Joseph Schmitz in Müllenbach gegossene kleine Glocke für die Pfarrkirche eingeweiht.

Am 14. Dezember des Jahres verunglückt der Müllenbacher Krämer und Schankwirt Lambert Regnier mit seinem Fuhrwerk auf dem steilen Bergweg nach Cochem. Ihm selbst und dem Zugtier passiert nichts, jedoch fällt ihm ¼ Ohm (ca. 40 Liter) Wein vom Karren. Das Fass zerbricht und der Wein versickert im Waldboden. Sein Verlust beträgt vier Thaler.

 1842: Landrat Schönberger richtet einen Brief an den Kaisersescher Bürgermeister Driesch, betreffs Aufklärung polizeiwidriger Vorfälle nach Alkoholmissbrauch (Misshandlung eines jungen Mannes mit zahlreichen Messerstichen) in der Gemeinde Müllenbach. Er bittet den Bürgermeister zur Behebung des Mangels ggf. einen eigens für den Ort zuständigen Polizisten einzustellen, natürlich auf Kosten der Gemeinde daselbst.

 1843: 19.03. Bringt Müllenbach eine verheerende Feuersbrunst. Gegen 11:30 Uhr bricht im Haus des Anton Felser „im Ecken" (heute Haus Kutjer; der Verf.) ein Feuer aus. Das Feuer entwickelte sich schnell zu einem Grossbrand, der erst am Morgen des nächsten Tages gelöscht ist. Erschreckende Bilanz: 35 Wohnhäuser, 27 Scheunen Vieh, Frucht und Geräte sind vernichtet, Menschenopfer müssen zum Glück nicht beklagt werden.

03.04. Müllenbach hat nach dem großen Brand eine Wiederaufbau-Comission gewählt. Mit Hilfe des Geometers Burger aus Cochem kann keine drei Wochen nach dem Brand ein neuer Aufbauplan vorgelegt werden, der auch neue Straßenführungen vorsieht. Einige Grundstücke bekommen nach diesem Plan erstmals Zugang zur Strasse. Es gibt vereinzelt Widerstände gegen diese Absichten.

 1844: Werden in Müllenbach, durch Maurermeister Moritz aus Müden, 2 neue Schulsäle verbunden durch ein Treppenhaus gebaut und nach deren Vollendung der Lehrer Höff aus Collig bei Polch, neben Lehrer Minnich aus Westfalen, als 2. Lehrer angestellt. Von 1840 bis 1844 hatte Lehrer Born aus Senheim die Lehrerstelle inne.

Erstmalig seit 1818 wird im Trierer Dom von 18. August bis 06. Oktober der Heilige Rock wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Viele nutzen die Gelegenheit zu einer Wallfahrt nach Trier um dieses seltene Ereignis zu erleben.

 1845: Werden auf den Schieferkaulen um Müllenbach 250 Schieferbrecher beschäftigt. Es werden insgesamt im Bereich von Müllenbach schon 15.830 Reis (36.880 Meter) Rohschiefer gefördert und verarbeitet. Der Verkaufspreis pro Reis beträgt 2,5 Thaler.

Einwohner in Müllenbach: 735 (Das sind 10,3 % der in der gesamten Bürgermeisterei Kaisersesch (17 Orte) beheimateten Bürger)

 1846: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Joseph Schmitz genannt. Hierbei dürfte es sich um den berühmten Glockengießer Mathias Joseph Schmitz handeln (Ortsfamilienbuch Masburg-Müllenbach  Nr. 4914), der mit seiner ersten Frau, Christina, geb. Abler, 5 Kinder und nach deren Tod mit seiner 2. Ehefrau Christine, geb. Steffes-Ollig 19 Kinder, also insgesamt 24 Kinder hatte. Er wird weiterhin als Stifter des Kirchenfensters mit dem Motiv des Apostels Matthias in der Pfarrkirche Müllenbach genannt. Stellvertretender Bürgermeister ist Peter Miesen.

Die Wirtschaftskrise zeichnet sich auch in Müllenbach ab, durch den schlechten Absatz an Schiefer sind viele Kaulenmänner von der Arbeitslosigkeit betroffen.

Pfarrer in Müllenbach: Guldner Nikolaus, (geb. in Dillingen) er gilt als Erbauer der neuen Pfarrkirche 1855, (Amtszeit:1846 - 1865)

 1847: Beschließt der Gemeinderat eine neue Kirche zu errichten.

Durch die Wirtschaftskrise sinkt die Zahl der Beschäftigten auf den Schiefergruben auf 147 Mann

 1848: Revolutionsjahr: Der Gerichtsvollzieher Hartrath wird von Müllenbacher Bürgern an seinem Vorhaben gehindert im Ort zu requirieren, er wird unter „einem Steinregen" aus dem Ort gejagt.

Geht Johann Steffes-hoff als erster Müllenbacher über den großen Ozean nach Amerika. Viele die denken „drüben" ihr großes Glück machen zu können, folgen ihm.

Auf den Schiefergruben sind mittlerweile nur noch 14 Mann beschäftigt, kein Wunder also, dass so viele Müllenbacher Bürger an das Auswandern nach Amerika denken.

Werden in Alflen zwei Familien genannt (Eheleute J. Alflen und Eheleute J. Brost) die einen Teil ihres Landes verkaufen, damit der Weg nach Müllenbach verbreitert werden kann.

25. Okt.: Wieder einmal wird ein Gerichtsvollzieher in Müllenbach an seiner Arbeit gehindert. Als Gerichtsvollzieher Steintahl in Müllenbach fällige Gelder einziehen will, wird er, wie schon vormals der Herr Gerichtsvollzieher Hartrath, unter Beschimpfungen und Bewurf mit faulem Obst, samt seinem Dienstpferd aus dem Dorf gejagt. Diesmal nicht ohne Folgen; nach Meldung des Vollziehers an seinen Dienstherren, wird eigens von der Führung der Monarchie in Berlin eine Kompanie Infanteristen (280 Mann) nach Müllenbach geschickt, um hier die nötige Ordnung wieder herzustellen. Zuvor hatte der Kreis schon 2 Gendarmen in Müllenbach stationiert. Wie es heißt, können auch diese nicht für Ruhe sorgen und sich gegen die „Volksmassen" nur wenig durchsetzen, sie werden wieder abgezogen.

29. Dez.: Nachdem die Lage in Müllenbach sich allgemein beruhigt hat, zieht das 28. Infanterie-Regiment unter Mayor v. Pannewitz ab. Die Kosten für die Einquartierung müssen die 750 Müllenbacher Bürger tragen.

 1849: Als Bürgermeister in Müllenbach wird genannt „Peter Miesen“, sein Stellvertreter ist Johann Welling III.

 

Reaktion und Bismarckzeit  ( 1850 – 1890)

 1850: Die Wirtschaftslage verbessert sich, dass Schiefermaterial das auf Halde und in den Magazinen liegt wird verkauft und es muss allmählich wieder produziert werden. Auf den Schiefergruben werden darum wieder 150 Schieferbrecher beschäftigt.

 1851: Ein Kirchenbauverein wird gegründet. Hauptkassierer Mathias Schmitz, Glockengießer und Grubenbesitzer

 1852: Müllenbach verzichtet auf seine Marktrechte von 1839.

Die alte Müllenbacher Kapelle wird abgerissen, damit ein neues Kirchenbauwerk an selbigem Platz entstehen kann. Während der Bauzeit der neuen Kirche findet das Hochamt in der Kirche in Laubach, die Frühmesse aber im Knabenschulsaal zu Müllenbach statt. Um das Zeichen zum Beginn des Gottesdienstes geben zu können, wird auf dem Dach des Schulgebäudes ein kleines Glockentürmchen angebracht, und darin eine der beiden Glocken der bisherigen Kirche installiert.

23.09: Grundsteinlegung zum Bau der neuen Pfarrkirche Müllenbach durch Bischof Arnoldi

Wird durch das Farendeier-Tal von Cochem über Kaisersesch nach Landkern eine neue „Kunststraße“ (nach technischen Vorschriften kunstmäßig ausgebaute  Straße mit Packlage, Mittellage und Decklage, welche sich in der Körnung unterscheiden) gebaut. Nunmehr müssen die Fuhrgespanne nicht mehr den steilen, engen Postkutschenweg zwischen Cochem und Kaisersesch nutzen. Dies ist auch wichtig für die Schiefertransporte aus dem Kaulenbachtal in die Moselstadt.

 1853: Die Schiefergruben rund um Müllenbach sind wieder voll ausgelastet. Es werden, wie schon 1845, etwa 250 Schieferbrecher beschäftigt.

Am 22.02 wird Johann Josef Welling aus Müllenbach bei einem Steinschlag in der Schiefergrube getötet.

13. 03: Der Kaufmann Dominikus Zerwas und der Apotheker Matth. Josef Helff, beide aus Köln, gründen in Müllenbach, am Westhang des Kaulenbachtales, die Grube Colonia (Köln).

Am 09.03 werden auf der Grube „Olligskaul 1" bei Laubach zahlreiche Bergleute verschüttet. Der Grubeneingang bricht zusammen und 16 Bergleute sind 16-18 Stunden unter Tage eingeschlossen. Glücklicherweise wird keiner verletzt oder gar getötet. Bemerkenswert, dass der zuständige Revierbeamte erst Wochen nach dem Unglück Kenntnis von dem Unglück erhält.

Auf den Höfen in Hochpochten werden 29 Seelen ansässig gemeldet.

Ersehen wir aus einem Visitationsprotokoll der Gemeinde Müllenbach, dass für die Lehnen- und die Zirwesmühle 3 Familien mit insgesamt 17 Personen verzeichnet sind. In diesem Jahr werden auch 11 Kommunikanten von beiden Mühlen erwähnt.

 1854: Der Glockengießer Mathias Schmitz aus Müllenbach gießt in seiner Glockengießerei oberhalb des Friedhofes (heute Haus Annen) die 3 Glocken für die neue Müllenbacher Pfarrkirche. Die größte ist ein Geschenk des Prinzen Wilhelm, dem späteren Kaiser Wilhelm I, sie ist geweiht dem hl. Hubertus. Die beiden übrigen der hl. Maria und hl. Barbara.

Am 12.03. stirbt Nikolaus Allard 22-jährig bei einem Grubenunglück.

11.04: Dominikus Zerwas scheidet aus dem Gesellschafterverhältnis der Grube Colonia aus. Matth. Josef Helff ist ab sofort alleiniger Besitzer der Grube am Müllenbacher Talhang zum Kaulenbach.

Werden, erstmalig im linksrheinischen Schiefergebirge, auf der Grube Colonia Grubenwagen (Loren) auf Gleisen zur Förderung des Schiefers aus dem Berginneren eingesetzt. Eine wesentliche Erleichterung für die Schieferbrecher, die bis Dato die bis zu 150 Kg schweren Schiefersteine auf dem Rücken aus den Gruben beförderten.

1855: 08. Juli; Einweihung der neuen Pfarrkirche durch Bischof Arnoldi. „Es war dieses ein Ereignisvolles Fest wie es die weite Umgebung noch nicht erlebte" vermerken die Akten des Kirchenbauvereins.

Die Schule wird unterteilt in eine Mädchen- und Knabenschule, erstmals werden die Geschlechter beim Schulunterricht getrennt.

 1856: Vor dem Assisenhof (Höheres Gericht) in Koblenz wird der Müllenbacher Johann Weber wegen schweren Diebstahls zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren verurteilt.

 1857: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Joseph Schmitz genannt, sein Stellvertreter ist Johann Franzen.

Matthias Valerius findet man zerschmettert in der Schiefergrube, er stirbt im Alter von 20 Jahren.

04. Aug: Erklärt die königl. Regierung, dass die Umpfarrung der Hochpochtener als nicht geschehen zu betrachten sei. Hintergrund: Ein Streit der Müllenbacher mit den Hochpochtenern. Diese wollen sich nicht an den Baukosten für die neue Kirche beteiligen.

Glockengießer J. M. Schmitz gießt die 332 kg schwere Alflener Kirchenglocke um. Die alte bekam zwischen 1835 und  1850 einen Riss. Die neue Glocke wiegt 442 kg und wird am 01.02 1858 in Alflen getauft.

 1858: Einwohnerzahl in Müllenbach 765  (762 Einwohner rk, 3 evang).

 1859: 06.03. In Trier stirbt der berühmteste Sohn unseres Ortes, der Rechtsanwalt Dr. Johann Theodor Regnier, an einem Herzleiden. Regnier war lange Jahre in Trier der angesehenste und begehrteste Rechtsanwalt. Auch als Minister der Regierung in Berlin war er im Gespräch.

 1860: Glockengießer Schmitz aus Müllenbach gießt zwei kleine Glocken für die 1789 erbaute Laubacher Kapelle. Die Inschrift lautet: „Schmitz aus Müllenbach goss mich, anno 1860: Eine Glocke heißt Joseph (Pate: Joseph Kreuser), die andere Maria (Patin: Maria Tholl).

Am 05.09 verunglückt im Alter von 47 Jahren Reinhard Köhn aus Müllenbach tödlich im Bergwerk durch Steinschlag. Er war der Ehemann von Frau Margarethe Scheid aus Gillenbeuren und Vater von 8 Kindern, von denen 6 bei seinem Tode noch lebten.

 1861: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Johann Josef Köhn genannt.

 1862: Wird an die beiden bestehenden Schulsäle (von 1844) ein Lehrerwohnhaus mit 2 Wohnungen angebaut (Frontansicht rechts). Der ganze Bau ist aus Bruchsteinen hergestellt und unterkellert. Unter dem Wohngebäude befindet sich nebst Keller noch Waschküche und Stall, unter dem übrigen Treppengang Keller und Spritzenhaus.

 1863: Nach dem Tode seines Vaters Matthias Schmitz, übernimmt Nikolaus Schmitz die Glockengießerei in Müllenbach. Um sein Fachwissen zu verbessern, geht er auf Wanderschaft und wird dabei am 16.11.1863 in Frankreich ermordet. Hiermit ist das Ende der Glockengießerzunft in Müllenbach besiegelt.

Die Schulchronik berichtet, dass im Jahre 1863 der Hof Gerhardsroth in Hochpochten, unweit von Müllenbach, abgerissen wird. Die zugehörigen Ländereien werden mit Baumbestand bepflanzt. Noch 1862 wurde eine Familie als auf dem Hof ansässig erwähnt.

Die Statistik des Kreises Cochem gibt Auskunft über die Beschaffenheit der Hausdächer in der Region: „Während an der Mosel und in den Landgemeinden der Bürgermeisterei Carden der Massivbau und die Schieferbedachung vorherrschen, finden sich in den auf den Höhen der Eifel und des Hunsrücks gelegenen Ortschaften noch in großer Anzahl Häuser in Fachwerk und Strohdächer vor. Dieselben werden nur sehr allmählich durch massive Neubauten verdrängt, indem man sich meist auf Reparaturen beschränkt, um die billigeren und auf den Höhen auch vorgezogenen Strohdächer beibehalten zu können, die nach Lage der Gesetzgebung im Zwangswege nur bei Neubauten zu entfernen sind.“

 1864: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Johann Joseph Franzen genannt.

 1865: Pfarrer in Müllenbach: Litzinger Johann, (geb. in Ehrenbreitstein) (Amtszeit:1865 - 1871 )

Am 23.09 wird Nikolaus Steffes-enn aus Müllenbach, 30 Jahre alt, Ehemann von Anna Barbara Bourgeois (Buschwa) und Vater eines Kleinkindes auf der Schiefergrube von Gesteinsmassen zermalmt.

 1867: Peter Johann Gilles, geboren am 19.12.1796 in Müllenbach, Ehemann von Anna Maria, geb. Berenz und Vater einer Tochter, verstirbt bei Rückkehr von der Ulmener Kirmes im Hochpochtenwald.

 1868: (November) Barthel Gilles, Ehemann von Elisabeth geb. Walgenbach, verbrennt in seiner Schmiede (im Ecken, heute Haus Felser), nachdem ein Mädchen aus Kalenborn die Schmiede mit einem Säckchen Schwarzpulver betreten hat. Das Mädchen kann gerettet werden.

 1869: Die Pfarrei Müllenbach wird dem Dekanat Kaisersesch zugeteilt.

 1871: Einwohnerzahl in Müllenbach 800.

Pfarrer in Müllenbach: Kowastch Johann, (geb. in Saarwellingen)  (Amtszeit:1871 - 1884)

 1872: Auch in diesem Jahr findet wieder, wie schon 1832, eine große Pilgerfahrt der Kirchengemeinde Müllenbach nach Trier zum Grabe des hl. Apostel Matthias statt. Der Pastor beurteilt seine Gemeinde in diesem Jahr folgendermaßen: „Die Moral ist in den meisten Familien gut, zweimal jährlich empfangen die Gläubigen die hl. Sakramente, doch viermal Tanz, schon eine Mischehe, Exzesse sind bekannt, Ursache: Bacchus et Venus (Alkohol und Liebe)“

Als Lehrer in Müllenbach werden genannt: Anton Schmitt und Katharina Knauf. Bemerkung des Pfarrers: „Sie tun ihre Pflicht".

 1873: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Johann Peter Bohr genannt.

An der Laubacher Schule unterrichtet zwischen 1873 und 1888 der 1846 in Müllenbach geborene Johann Joseph Fankel. Die Laubacher Schulchronik vermerkt, das Fankel starken Ackerbau betreibt und neben seiner Lehrertätigkeit auch den Küster- und Glöcknerdienst übernimmt. Wegen einiger Verdrießlichkeiten, die ihm in Laubach zustoßen, gibt er die Stelle im November 1888 auf und nimmt eine neue Lehrerstelle in Moselsürsch an. Seine Felder und Wiesen verpachtet er an Laubacher Bürger.

 1875: Am 10.07 wird Peter Gilles aus Müllenbach, 45 Jahre alt, Ehemann von Anna Katharina und Vater von 4 unmündigen Kindern bei einem Bergunfall auf der Grube „Heidenloch" tödlich verletzt.

Der Kirchenchor „St. Cäcilia Müllenbach" wird als katholischer Verein von Lehrer Anton Schmitz (Dirigent) und Pastor Johann Franz Kowastch gegründet.

 1876: Am 28.10 verunglückt Peter Lehnen aus Müllenbach, 22 Jahre alt, der nach seiner Heirat mit Barbara Scheid nach Masburg verzogen und Vater von 3 Kleinkindern war, tödlich in der Schiefergrube „Heidenloch"

In Müllenbach werden 790 Bewohner gemeldet.

An der Knabenschule Müllenbach werden in diesem Jahr 85 Schüler gezählt. Die Mädchenschule meldet 97 Schülerinnen.

Am vorletzten Julitag des Jahres wird unter Führung von Hauptmann Josef Ring der Junggesellenverein Müllenbach gegründet. Man setzt sich das Ziel, ein Stück Brauchtum und Sitte lebendig zu erhalten und Gemeinschaftsgeist zu fördern.

„Kulturkampf", dadurch das Pfarrer Pörzgen aus Masburg seines Amtes enthoben, und ihm die Ausübung der Seelsorge untersagt ist, müssen die Filialisten der Pfarrei Masburg (Eppenberg, Hauroth und Kalenborn) den Gottesdienst bei Pfarrer Kowastch in Müllenbach besuchen. Das führt zu einigen Unruhen im Ort. (Ständig volle Sitzbänke, Müllenbacher müssen in „ihrer" Kirche stehen usw.).

In weiteren Unterlagen wird berichtet, dass die Ulmener Bürger nicht mehr gerne zu ihrem Pfarrer in die hl. Messe gehen, da er Staatsgehalt annimmt. Pfarrer Kowastsch geht dann oft, als Bauer verkleidet, das Allerheiligste an der Brust versteckt, nach Ulmen, um bei Nacht und Dunkelheit den treu katholischen Bewohnern die Sakramente zu spenden und mit ihnen die hl. Messe zu feiern. Auch die Toten begräbt man mit seiner Unterstützung  bei Nacht und Nebel.

 1877: 10.05: (Pfingstsonntag), die vierjährige Catharina Valerius wird durch den umstürzenden Maibaum erschlagen.

 1878: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Mathias Gilles genannt.

In der Pfarrkirche Müllenbach wird ein Kreuzweg bestehend aus 14 Bildern des Malers Heinrich Steffgen aus Trier installiert. Pfarrer Josef Miesen, geboren am 28. März 1831 in Müllenbach und vom hl. Stuhl in Rom bevollmächtigt Kreuzwege zu errichten und einzusegnen, segnet den Müllenbacher Kirchen-Kreuzweg am 15. Dezember 1878 ein.

 1880: Wird im Distrikt „Wolfsburg“ bei Leienkaul (etwa 2 km Luftlinie von Müllenbach) der letzte Wolf der Osteifel erlegt.

 1881: Der Pastor beurteilt seine Gemeinde in diesem Jahr etwas härter: „Bereits elf mal Tanz im Ort". Wahrlich eine gewaltige Zahl für die damalige Zeit und das flache Land. Dies bewegte den Pfarrer dazu eine Denkschrift zu verfassen und diese der kirchlichen Behörde vorzulegen.

 1882: Die Volksschule Müllenbach wird in eine dreiklassige Schule mit 2 Lehrkräften umgewandelt.

1884: Pfarrer in Müllenbach: Matthias Weber (Bekannt als: Kära Mattes), (geb. in Körrig/Merzkirchen) (Amtszeit:1884 - 1892 )

1885: Als Bürgermeister in Müllenbach wird Franz Steffes-Holländer genannt.

Am 06.08 verunglückt Theodor Regnier (34) aus Laubach auf der Grube „Maria Schacht" tödlich. Er hinterlässt seine Ehefrau Maria Katharina Irmen und 5 Kinder. Selbige erhalten in der Folge keine Unterstützung, ihr Haus wird versteigert.

 1887: Im Herbst 1887 beginnt die Ausmalung der Kirche, welche Arbeit im Frühjahr 1888 vollendet wird. Die Kosten werden durch freiwillige Beiträge resp. Opfergeld beigebracht. Leider hat die Ausmalung in Öl und Leimfarben an den Seitenrändern durch die Feuchtigkeit bald gelitten. Um dem Kirchenchor Raum zu schaffen wurde die gleich nach dem Neubau installierte Kirchenorgel nach hinten versetzt und zeitgleich um einige Register verstärkt.

Die dreiklassige Volksschule Müllenbach zählt 167 Schüler.

Die Schulchronik berichtet, dass in diesem Jahr die so genannte „Glockengießermühle“ (ehemals auch Josephsmühle oder Mausmühle genannt) am Lessierbach (Millpettje) an den Fiskus verkauft und kurze Zeit später abgerissen wird.

 1889: Wieder wird Johann Peter Bohr als Bürgermeister in Müllenbach genannt.

 

Wilhelminische Zeit  (1890 – 1918)

 1890: Einwohnerzahl in Müllenbach 751.

Pfarrer Matthias Weber wird zum Schulinspektor ernannt.

Zur Verbesserung des Wasserzuflusses zum Brandweiher (heute Bereich Brunnen) soll die weitere Zuleitung von Quellwasser, das reichlich in der Nähe vorhanden sein soll, versucht werden, auch die alte Röhrenleitung zum Weiher erneuert werden.

1891: Der verflossene Winter war sehr kalt. Noch am 1. April lag 2 Fuß Schnee. Die meiste Wintersaat wurde durch Frost vernichtet.

Im Frühjahr 1891 soll für das Unterdorf eine Wasserleitung angelegt werden. Im Schulgarten werden zwei Schächte, etwa 5 – 6 m tief angelegt, doch ist noch kein Wasser zu sehen.

Die Volksschule Müllenbach vermeldet in diesem Jahr 188 Schüler.

 1892: Pfarrer in Müllenbach: Kirchgässer Hugo, (geb. in Oberwesel), Einführung am 12. Mai,  gilt als Erbauer des neuen Pfarrhauses, so wie es sich heute darstellt. (Amtszeit:1892-1901). Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Pfarrers ist das Verputzen des Kirchturmes, der durch die Witterung der letzten Jahre arg gelitten hat.

Gute Getreideernte in diesem Jahr. Die Kartoffelernte so gut wie seit Jahren nicht mehr. Fortgesetzt heiße Witterung im Sommer.

Die Schulchronik berichtet, dass in diesem Jahr die so genannte „Schleismühle“ (ehemals auch Zirwesmühle) an der Mündung des Müllenbach in die Endert durch ein Feuer gänzlich zerstört wird.

Am 25. November 1892 verunglückt auf der kleinen Grube „Flüsschen“, auch „Grünewald“ genannt, Johann Welter aus Breitenbruch, 26 Jahre alt. Ein schwerer Stein reißt ihm Kopf und Leib auf, so dass Gehirn und Gedärm hervortreten und der Tod sofort eintritt. Es ist dies seit sieben Jahren der erste Unglücksfall auf den hiesigen Gruben mit tödlichem Ausgang.

 1893: Stephan Reichards (40) erblindet nach einem Grubenunglück und stirbt 3 Jahre später an den Folgen des Bergunfalls.

Im Frühjahr beginnen die Bauarbeiten an der Eifelquerbahn, Abschnitt Mayen bis Gerolstein.

Heißer Sommer mit viel Trockenheit. Von März bis Juli fällt kein Tropfen Regen. Felder und Wiesen bieten, außer in den Tallagen nahe den Bächen, einen trostlosen, grauen, ausgebrannten Anblick. Große Futternot allenthalben, man sieht in den Wäldern die Leute das spärliche Gras rupfen.

20.12. Matthias Josef Gundert (30), aus Müllenbach, Ehemann von Anna Maria Reichard, Vater von 2 Kleinstkindern, verunglückt tödlich auf der Grube „Colonia". Er wird durch herabfallende Steine getötet.

Entscheidet die Bischöfliche Behörde in Trier, das die Pochtener Höfe zur Pfarrei Ulmen gehören und das die Höfer dort ihre kirchlichen Pflichten zu erfüllen haben.

 1894: Am 18.07 verunglückt Johann Peter Schopp (45) aus Leienkaul, Vater von 4 Kindern, tödlich bei einem Bergunfall in der „Escherkaul". Ihm ist ein schwerer Felsblock so über den Leib gerutscht, dass er an den Verletzungen stirbt.

07.08, wieder Unglück in den Schiefergruben. Peter Klinkner aus Masburg hat auf der Grube „Werresnick" eine Sprengladung angelegt. Da diese Ladung zur gewöhnlichen Zeit nicht losgeht, wollen er und sein Kamerad Hubert Miesen aus Laubach, sich den Grund des Versagens ansehen. Sie sind fast bis an die Ladung herangekommen als diese verspätet zündete. Klinkner, der als erster geht, fliegen die los gesprengten Steine gegen Brust und Kopf, dabei erleidet er so schwere Verletzungen, dass er verstirbt ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Miesen erleidet einige Gesichtsverletzungen, kann aber in einer Bonner Klinik wieder genesen. Klinkner ist der Ehemann von Katharina Steffes und Vater von 2 Kleinkindern, er wurde 35 Jahre alt.

Am 16. August trifft der erste Bauzug der neuen Eifelquerbahn in Laubach ein. Die Bürger aus Laubach und Müllenbach versammeln sich zur Begrüßung der Bahnarbeiter am Verlauf der Bahntrasse.

Am 02. September verstirbt ganz plötzlich im Alter von 27 Jahren der in Müllenbach geborene Joseph Laux auf der Straße, „die Holl“ genannt, in Laubach. Er wird in Masburg begraben.

Am 29. November 1894 verstirbt Frau Catharina Darscheid, geb. Wiersch im Alter von nur 30 Jahren. <Weil es Anzeichen gibt, die ein Vergehen irgendeines Junggesellen ahnen lassen, wurde angeordnet, den Leichnam der Frau zu öffnen> so schreiben die Kirchenbücher.

 1895:Müllenbach zählt nach der Volkszählung vom 2.12.1895 insgesamt 892 Einwohner, davon 440 männl. Und 452 weibl. Geschlechts, 881 Einwohner rk, 6 evangelisch, 5 Juden. Die Zahl der bewohnten Gebäude beträgt 148.

Die Schulchronik Laubach berichtet, dass im Jahre 1895 der Tagelohn auf den Schiefergruben zwei Mark bis zwei Mark und fünfzig Pfennig beträgt.

Anfang April 1895 wird durch Maurermeister Moritz aus Müden das neue Pfarrhaus in Müllenbach gebaut, dass Ende November des Jahres bezogen werden kann. Wie man hört soll der Neubau einem preußischen Gardeoffizier zu verdanken sein, der im Rahmen einer Militärübung des Garderegimentes im alten Pfarrhaus einquartiert war. Bei dieser Einquartierung stellte er fest, dass Mobiliar und Räumlichkeiten einiges zu wünschen übrig ließen (sein Bett war zu kurz, er musste die Füße auf der Fensterbank ablegen) und einem guten Pfarrer nicht würdig wären. Da er bei Hofe gut bekannt war, sorgte er dort für eine Unterstützung des Neubaus, der dann 1895 an der Frontseite der Pfarrkirche verwirklicht wurde.

Am 15. Mai wird die Eifelquerbahn von Mayen nach Gerolstein eröffnet. Erst soll der Bahnhof nur Laubach benannt werden, einige einflussreiche Schiefergrubenbesitzer erreichen mit einer Eingabe (im Januar 1894) an die Eisenbahndirektion, dass die Anschlussstelle Laubach-Müllenbach genannt wird. Verladen wird hier hauptsächlich Schiefer aus dem Kaulenbachtal und Holz aus den nahe liegenden Eifelwäldern.

Nach Eröffnung der Bahnstrecke Mayen–Gerolstein werden die Schiefersteine aus dem Kaulenbachtal nicht mehr nach Cochem, sondern zum Bahnhof Laubach– Müllenbach transportiert. Um diese Beförderung zu verbessern, soll ein fester Weg zu den Gruben angelegt werden „doch die Gemeinde will nicht.“ Auch ist die Einigkeit zwischen den einzelnen Betrieben nicht allzu groß. Grubenbesitzer Helff baut deshalb für sich einen Weg bis auf den „Acker“ und legt darauf eine Feldbahn. Eine solche Feldbahn ist auch bis zum Bahnhof in Aussicht genommen, allein die Sache kommt nicht zu Stande, da sich der Laubacher Gemeinderat dagegen ausspricht. Den Müllenbachern Bauersleut ist nun Gelegenheit geboten, in der weniger arbeitsreichen Zeit durch Schieferfahren Geld zu verdienen.

Auf der Grube „Werresnick" stürzt der Schieferhauer Mohr aus Laubach ca. 80 Fuss (~27m) Tief mit einem Korb und einem Wagen voller Steine ab. Fast ein Wunder, dass er nur geringfügige Beinverletzungen durch umherfliegende Steine erleidet.

Auch auf der Grube Constantia verunglückt ein Mann aus Masburg in diesem Jahr tödlich.

 1896: Stephan Reichard aus Müllenbach stirbt an den Folgen eines Bergunglücks von 1893. Er erblindete damals und litt bis zu seinem Tode an den Folgen des Unfalls.

 1897: Am 18. Januar ereignet sich ein Eisenbahnunfall zwischen dem Bahnhof Laubach-Müllenbach und Kaisersesch. Der 7:08 Zug aus Kaisersesch bleibt kurz vor Laubach in einer Schneewehe stecken. Eine Lokomotive aus Gerolstein, die gleichzeitig am Bhf. Laubach-Müllenbach eintrifft, eilt zur Hilfe. Auch von Kaisersesch wird eine Lokomotive zur Rettung geschickt. Trotz der Hilfe der Lok aus Gerolstein kann der Zug nicht aus den Schneemassen befreit werden. Erst nach dem die Wagen des verunglückten Zuges abgehangen werden, kann die Gerolsteiner Lok die Zugmaschine frei stellen. Als die nunmehr befreite Lokomotive ihre Wagen wieder anhängen will, und dabei zu stark anfährt, stößt sie heftig an die abgestellten Wagen, so dass sich ein Packwagen mit einem Beamten und zwei Personenwagen mit drei Fahrgästen selbstständig machen und auf der abschüssigen Gleisführung in Richtung Kaisersesch rollen, von wo jedoch mit großer Geschwindigkeit die nächste Lokomotive zur Rettung eilt. Der Beamte springt angesichts der nahenden Lok unvermittelt vom Packwagen ab, der kurz später von der Lokomotive total zertrümmert wird. Die beiden Wagen der 2. Und 3. Klasse, werden ebenfalls beschädigt, die darin befindlichen Gäste jedoch nur leicht verletzt. Dem Beamten hat sein beherzter Sprung vom Gepäckwagen das Leben gerettet. Auch die Kaisersescher Lokomotive wird bei dem Zusammenstoß schwer beschädigt, jedoch die Rettungsmannschaft nicht verletzt.

Peter Lefev wird als Bürgermeister in Müllenbach genannt.

Am 05.02 verunglückt Peter Schneider aus Müllenbach, 23 Jahre alt, Ehemann von Barbara Schopp und Vater von 5 Kleinstkindern auf der Grube „Colonia" tödlich.

Schlägt der Kreiswasserbaumeister Bender der Gemeinde Müllenbach vor, im Bereich Oberdorf (Sürchen oder Schmitz Driesch) einen neuen Brunnen zu installieren und den Ort mit einer Wasserleitung von demselben zu versorgen. Der Vorschlag wird vom Gemeinderat abgelehnt, da schon 3 Brunnen im Ort vorhanden sind (auf der Bach, der Holzborn, der Hauptbrunnen) und die Gemeinde keine finanziellen Möglichkeiten sieht eine Wasserleitung zu finanzieren.

 1898: Am 01.05 stirbt Matthias Gilles aus Müllenbach, 23 Jahre alt, durch einen Steinschlag in der Grube „Holzkaul".

Wegen ständig steigender Schülerzahlen beschließt der Gemeinderat den Anbau neuer Räumlichkeiten an das bestehende Schulhaus (Frontansicht linker Teil).

 1899: Peter Schmitz wird als Bürgermeister in Müllenbach genannt.

Werden im Kaulenbachtal Tiefbauschächte angelegt und damit ein weiterer Fortschritt erreicht: 1. Mariaschacht, 2. Colonia, 3. Dachschieferwerk (Herrenwiese).

 1900: Bei der Volkszählung 1900 zählt Müllenbach 932 Einwohner, darunter 200 Schulkinder in der Volksschule.

 Im März beginnen die Ausschachtarbeiten für den Anbau der Volksschule. Am 1. Mai wird von Maurermeister Birsbach aus Kaisersesch der Grundstein gelegt. In der Woche vor Weihnachten kommt der Bau glücklich unter Dach.

 Erschüttert stehen die Bürger der Pfarrgemeinde im November am Grab von Christian Lenzen aus dem Sesterbach. Nachdem seine Frau am 20. August verstorben ist, geht er, um eine Mutter für seine 4 Kinder zwischen dreizehn und einem Jahr zu suchen, auf Brautschau nach Lirstal. Dabei erleidet er dort Wunden, die am 12. November in einer Bonner Klinik zu seinem Tode führen.

 1901: Herr Pastor Kirchgässer, häufig leidend, stirbt am 15. Januar, erst 40 Jahre alt, eines plötzlichen Todes, an einem Herzschlag. Er, sonst äußerst pünktlich, gibt morgens, als der Gottesdienst beginnen soll, auf Anruf der Haushälterin keine Antwort. Der herbeigerufene Lehrer tritt die verschlossene Türe auf und findet den Pastor tot. Doch trifft ihn der Tod nicht unvorbereitet, denn am Tage vorher war er noch in Kaisersesch, um dort sein Gewissen zu reinigen. Am 19. Januar wird er unter großer Anteilnahme beigesetzt.

 Pfarrer in Müllenbach: Kirchesch Franz, (geb. in Wissen/Sieg)  (Amtszeit: 01.05.1901 - 1912 ).

 Ganzjährig findet der Innenausbau des neuen Schulgebäudes statt.

 1902: Am 2. Januar kann der neue Anbau des Schulgebäudes bezogen werden. Die Kosten des Neubaus belaufen sich Gesamt auf 18.000 Mark.

 Im Jahre 1902 gründet Pfarrer Kirschesch einen katholischen Arbeiterverein und später auch einen Spar- und Darlehenskassen Verein in Müllenbach. Ersterer zählt schon bald über 200 Mitglieder im Ort.

 1903: Bartholomäus Schmitz wird Bürgermeister in Müllenbach.

 Franz Schmitz stirbt im Alter von 26 Jahren im „Hiester Käulchen" durch ein Grubenunglück.

 1905: Bei der Volkszählung in diesem Jahr beträgt die ortsansässige Seelenzahl 905, halb männlich, halb weiblich.(???)

 Der größte Teil der Schiefersteine wird nicht mehr zum Bahnhof Laubach – Müllenbach, sondern nach Kaisersesch transportiert, wo die Gebrüder Rother ein Lager errichtet haben. Für die Bauersleut fällt dadurch eine Verdienstmöglichkeit weg, angeblich bringt dies keinen Schaden, da sie jetzt ihrer Ackerwirtschaft mehr Aufmerksamkeit schenken können.

 1906: Stirbt der Schieferbrecher Lenzen aus Laubach auf der Grube "Maria Schacht".

 Am 12. April verunglückt der Schieferbrecher M. Jos. Gilles tödlich beim Schießen (Sprengen) auf der Herrenwiese. Er hinterlässt seine Frau und 6 Kinder.

 Im September stirbt der Schieferbrecher Lanser aus Laubach auf Mariaschacht. Er hinterlässt seine Frau und mehrere unmündige Kinder.

 Die Handelslkammer Koblenz befasst sich in diesem Jahr mit der Planung einer Eisenbahn von Cochem nach Adenau durch die Endert, nah an Greimersburg vorbei, bis in die Nähe der Brücksmühle im Kaulenbachtal (Anschluss der Schiefergruben), unterhalb der Grube Herrenwiese, weiter durch das Königliche Waldrevier Hochpochten, Chausseehaus zwischen Büchel und Alflen, weiter über Schmitt, Gillenbeuren, Gevenich, Weiler, Driesch und Lutzerath, Wagenhausen, Wollmerath Demerath, Steiningen nach Utzerath, dann über Kelberg nach Adenau. Der Plan wird verworfen. Die Steigungsstrecken und damit der Preis zur Herstellung der Bahn sind zu hoch.

 Der Weg von Müllenbach nach Laubach wird in diesem Jahr ausgebessert, starke Regenfälle und Erosion haben ihn im Laufe der Zeit schwer beschädigt.

 An Stelle des Öllichtes wird in der Grube das Karbidlicht eingeführt, welches heller leuchtet und der Gesundheit zuträglicher sein soll.

 1907: Außergewöhnlich lang anhaltender Winter. Während am Sonntag den 4. Mai noch eine ziemliche Schneedecke liegt, blühen die Bäume schon den folgenden Sonntag und der Wald steht in frischem Grün.

 Für den Gemeindebrunnen „auf der Bach“ soll ein neuer „Waschkump“ beschafft werden. Zur Ableitung des Dorfwassers unterhalb des Brunnens sollen 21 m Rohr mit 60 cm Durchmesser im Bachbett verlegt werden, damit daselbst ein Wirtschaftsweg angelegt werden kann.

 Am Wege vom Ort Laubach nach Bahnhof Müllenbach verschwindet im Herbst 1907 die sogenannte „dicke Hecke“ ein strauchartiger Baum, der schon manchem Wanderer den richtigen Weg nach Müllenbach zeigte.

 1908: Nutzt das „Müllenbacher Dachschieferwerk" eine von einem Dieselmotor betriebene Bahn, die den schweren Schiefer den steilen Kaulenberg hinauf bis in den Heuweg nach Müllenbach zieht. Von hier aus wird der Schiefer per Pferdewagen weiter nach Laubach oder Kaisersesch transportiert. Auf der Herrenwiese wird eine Bahn (Steilstrecke/Bremsberg) gebaut, auf der beladene Schieferloren per Seilwinde von der Herrenwiese nach Leienkaul gezogen werden können.

 Peter Schmitz wird als Bürgermeister in Müllenbach genannt.

 07. Mai der Schieferbrecher Peter Valerius aus Müllenbach findet den Tod auf der Grube Herrenwiese. Er hinterlässt eine Frau und fünf Kinder.

 Hubert Walgenbach (30) aus Laubach, findet in der Grube „Colonia" den jähen Bergmannstod.

 Nach einem Bericht des Kreisarztes über die schlechten Wasserverhältnisse im Orte Müllenbach, die jederlei Krankheit förderlich sind, bittet der Gemeinderat beim Landratsamt um Fonds-Gelder die den Bau einer Wasserleitung für den Ort möglich machen können.

 Im Herbst 1908 ist der Ausfall der Ernte befriedigend sowohl bezüglich der Brotfrucht als auch der Kartoffeln. Gut ist auch die Obsternte, wenngleich auch die Obstbaumzucht nicht bedeutend ist.

1909:Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs wird am 27. Januar 1909 in der Schule im Beisein der Gemeinderatsvertretung festlich begangen.

 Schieferbrecher Mathias Klotz aus Müllenbach stirbt durch herabfallendes Gestein auf der Grube Colonia.

 Ein strenger Winter ist zu vermelden, sechs Wochen lang liegt der Schnee Manns hoch.

 19. Februar, es stirbt auf den Schiefergruben Johann Peter Tholl aus Müllenbach. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

 Das Jahr 1909 lässt sich für den Ackerbau günstig an, doch von Ende Mai bis Ende Juni tritt Trockenheit ein die das schlimmste befürchten lässt. Ende Juni jedoch tritt ein ergiebiger Regen ein und alles wendet sich zu besseren. In der Sommerfrucht zeigt sich aber viel Zweiwuchs, die Ernte wird dadurch hinaus geschoben. Erst Mitte Oktober wird die letzte Frucht eingebracht.

 1910:Am Dienstag, 11 Januar 1910 wird bei heftigem Schneetreiben ein Wintergewitter beobachtet, das sich jedoch bald verzogen hat.

 Josef Gorges wird im jungen Alter von 18 Jahren zwischen zwei beladenen Schieferloren zerquetscht. Die schweren Verletzungen die er sich hierbei zuzieht, führen einige Wochen später zu seinem Tod.

 Ein sich lösender Stein aus dem „hangenden" bricht am 23.05 dem unverheirateten Schieferbrecher Wollenweber aus Laubach auf der Grube Herrenwiese das Genick. Der sofortige Tod ist die Folge.

 Das Jahr ist den Landwirten günstig gewogen, auch die Schiefergeschäfte haben genügend Absatz.

 17.07: Schwere Wolkenbrüche in unserem Gebiet, die Endert führt bis zu 3 Meter reißendes Wasser.

 Am Mittwoch, den 26.10.1910 findet die feierliche Einweihung des neuen zweiklassigen Schulhauses in Laubach statt. Des Morgens um acht Uhr beginnt die kirchliche Feier. Herr Pfarrer Kirchesch aus Müllenbach hält den feierlichen Gottesdienst

 Nachdem die letzte Hälfte des Oktobers durch für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Witterung gezeichnet ist, tritt mit dem 1. November ein Wettersturz ein. Bei heftigem Weststurm gehen große Wassermassen nieder, die sich vom 2. November in Schnee verwandeln – den ersten in diesem Jahr. Da das Thermometer nicht unter 0 Grad zu stehen kommt, schmilzt er jedoch bald wieder.

 Vom Herbst 1910 bis zum Frühjahr 1911 wird der Weg von Müllenbach / Dorf bis zum Bahnhof erneuert. Bei diesen Arbeiten sehen die Ortsbewohner erstmals eine der neuartigen Dampfwalzen.

 Bei der Volkszählung am 2. Dezember hat Müllenbach 946 Seelen.

 1911: Mord in Müllenbach: In der Nacht vom 02. zum 03. Februar wird in Müllenbach der junge Anton Lehnen von 5 jungen Burschen, ebenfalls Müllenbacher, zu Tode misshandelt. In der Laubacher Schulchronik heißt es: „Augenblicklich sehen die Täter ihrer Strafe entgegen".

 03. Mai: Vor dem Schwurgericht in Koblenz werden die Mörder, die den jungen Anton Lehnen zu Tode brachten, für Schuldig befunden. Einer der fünf Inhaftierten wird frühzeitig entlassen. Die drei Haupttäter werden unter Versagung von mildernden Umständen, Peter Krämer I und Reuter zu zehn, Lefev zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Peter Krämer II erhält 1/2 Jahr Gefängnis. Die Zeitungen berichten über die Tat mit Ausdrücken des Abscheus über die Bestialität der Schuldigen. Hiernach werden die Müllenbacher von den Bürgern der umliegenden Ortschaften oftmals als „Millebaacher Duudschläjer" (Müllenbacher Totschläger) bezeichnet.

 Nachdem die Eifelvereins-Ortsgruppe Kaisersesch begonnen hat im Verlauf der wilden Endert (Napoleonsbrücke bis Cochem) einen gut begehbaren Wanderweg anzulegen, wird es auch für die Menschen aus unserer Region einfacher durch die Endert nach Cochem zu kommen. Bislang war der schmale Pfad häufig zugewachsen und nicht begehbar.

 Am Fronleichnamsfest herrscht ein großer Sturm mit gewaltigem Regen, so dass die Prozession nicht abgehalten werden kann. Sie wird folgenden Sonntag  durchgeführt.

 Der Sommer bringt außergewöhnlich große Hitze und Trockenheit. Diese beginnt Anfang Juni und dauert bis in den September.

 242 Schüler besuchen die Volksschule Müllenbach.

 Der Tagelohn auf den Gruben beträgt 3 Mark (Akkordarbeit bis 4,50 Mark pro Tag). Wenn auch gering, so hat er doch in den letzten 10 Jahren eine Aufbesserung von 0,50 Mark erfahren.

 Fa. Helff und Comp. aus Köln beginnt im Februar des Jahres mit dem Ausbau der Bahn Grube Colonia – Bahnhof. Seit August Transport des Schiefers mittels einer „Benzin- Lokomobile“, die bei jeder Fahrt einen halben Waggon Schiefer fortbringt. Die Gemeinden Laubach und Müllenbach können diese Einrichtung nur begrüßen, da jetzt ihre Wege weniger leiden.

 Im Herbst werden auf Anordnung des Herrn Pastor und mit Hilfe des Spar- und Darlehensvereins mehrere Hundert Obstbäumchen rings um den Ort gepflanzt.

 Am 15.12 wird Johann Miesen aus Laubach auf der Grube Maria Schacht durch herabfallendes Gestein schwer verletzt. Am 16.12 verletzt sich der Schieferbrecher Wilhelm Gorges (von der Sesterbach) auf der Grube Herrenwiese ebenfalls schwer durch einen Steinsturz.

 1912: Pfarrer in Müllenbach: Mehren Cornelius, (geb. in Damscheid) (Amtszeit:1912 - 1921 )

 254 Schüler (höchste Schülerzahl der Müllenbacher Schulgeschichte) besuchen die Volksschule Müllenbach.

 Sehr nasser Sommer. Die Getreideernte hat stark unter dem Regen zu leiden. Durch die anhaltende Nässe gedeiht jedoch das Gemüse sehr gut und bietet eine reichhaltige Ernte. Selbst alte Leute wollen eine so reichhaltige Kartoffelernte wie in diesem Jahr noch nicht erlebt haben. Der Preis beläuft sich pro Zentner auf 1,80 – 2,00 Mark

 Ein kurzes Stück der Dorfstraße wird mit Mayener Steinen (Kopfsteinpflaster aus Basalt) gepflastert.

 1913:Der Winter 1912/13 war ein sehr milder. Im Monat Februar waren so schöne Tage, wie man sie in normalen Jahren hier oben erst im Monat Mai gewöhnt ist. Nur zweimal rief die Glocke zum Schneeschaufeln, was in früheren Jahren nach Aussagen alter Leute jede Woche vorkam.

 Am Mittwoch, den 19. März 1913 schließt das alte Schuljahr. 250 Schüler besuchen nach den Ferien die Volksschule Müllenbach.

 Am 05.06. schwere Unwetter. Abends, gegen 19:00 Uhr, gehen zwei starke Gewitter mit unaufhörlichen Regenmassen nieder. Der Schotter wird von den Strassen und die Erde von den Feldern gespült. In Laubach tritt der Kaulenbach über die Ufer und schleppt riesige Schlammmassen mit sich, die sich an der Kapelle aufstauen.

 Die Schulchronik berichtet von 5 großen Bränden in Müllenbach. Am 13. Mai brennt das unbewohnte Haus der Witwe Johann Josef Arenz. Im August trifft es die Wohnhäuser des Johann Arenz und des Matthias Felser. Am 27. September das Haus des Peter Gilles.

 Der  Gemeinderat von Müllenbach erklärt sich im Namen der Gemeinde bereit, die Wasserleitung für den Ort nach den vorliegenden Plänen mit einer Beihilfe von ¼  aus dem Westfonds der Aufschlagsumme ausschließlich der Hausanschlüsse ausführen zu lassen.

 1914:  Im Gegensatz zu dem vorjährigen trat der diesjährige Winter mit außerordentlicher Strenge auf, wie man ihn seit 1909 hierselbst nicht mehr erlebt haben will. Sechs Wochen liegt der Schnee ununterbrochen an manchen Stellen mannshoch. Fast jede Woche müssen die Wege zum Bahnhof und nach Kaisersesch freigeschaufelt werden da weder Postbote noch Arzt durchkommen. Infolge der allmählich einsetzenden Erwärmung gehen die gewaltigen Schneemassen ohne nachteilige Folgen ab.

 Freitag den 3. April schließt das alte Schuljahr. Die Ferien enden am 22. April.

 01.08: Beginn des Krieges Deutschland-Österreich gegen Russland, Frankreich und Serbien.

 Am Freitag, den 31. Juli, erscheint gegen 5 Uhr ein Reiter aus Kaisersesch und bringt die Mitteilung von der Erklärung der Kriegsbereitschaft. Das Plakat wird am Schulraum angeschlagen. Vorher sind schon Bergleute von einer Grube heimgekommen, da ihnen gesagt wurde, es gäbe Krieg. Bei einigen Frauen gibt es jetzt schon Tränen, doch die meisten, vor allem die Männer, zeigen sich ruhig aber ernst.

Am Samstag, den 1. August, erwartete man mit Spannung die 6 Uhr Abendpost. Sie bringt die Nachricht von der Mobilmachung, die sofort in ortsüblicher Weise, Zusammenruf durch die Schulglocke am Schulhause, bekannt gemacht wird.

 Ernst aber ruhig, wird die Bekanntmachung angehört. Man unterhält sich nur mehr über den Krieg. Einige Wehrmänner erhalten telegraphische Einberufungen für den 2. August, erster Mobilmachungstag.

 Auf Mariaschacht wird die elektrische Förderung eingerichtet.

 Am 4./5. August findet in Kaisersesch die Pferdemusterung statt. Die Ersatzreserven sind dahin beordert, zum Abtransport der Pferde nach Coblenz. Mit dem Preis sind die Bauern zufrieden. Aus Müllenbach werden 2 Pferde und 4 Wagen abgegeben.

 Ebenfalls am 5. August wird die Polizeistunde auf 9 Uhr festgesetzt, Bierniederlagen dürfen kein Bier verabfolgen.

 Auf der Bahnstrecke Mayen-Gerolstein fahren die Züge nach Kriegsfahrplan. Nur 2 Fahrten pro Tag und hauptsächlich des Nachts. Wegen der langsamen, unbeleuchteten Fahrt benötigt der Zug 2 Stunden von Müllenbach-Laubach bis nach Mayen.

Ein grauenvoller Unfall ereignet sich am 08.09 auf der Grube „Mariaschacht". Nach der Mittagsschicht, etwa gegen 14 Uhr, verunglückt der Grubenaufseher Josef Mohr aus Laubach, ein Vater von 6 Kindern. Mohr fährt mit 4 anderen Bergleuten mit dem Förderkorb in den Schacht ein, von denen 3 aber auf der 3 Sohle den Förderkorb verlassen. Mohr will mit dem Bergmann Klasen aus Müllenbach in die 4 Sohle herab fahren, als plötzlich der Korb stehen bleibt. Klasen kriecht auf Händen und Füssen aus dem Korb und kann sich retten. Aber, da der Korb nun leichter geworden ist, schleudert er einige Meter in die Höhe, dass Drahtseil reißt und der Korb stürzt ungehindert in die Tiefe. Mohr wird bei dem Aufschlag zu einer unkenntlichen Masse zermalmt. Die Leichenteile werden zusammengelesen und in ein Leinentuch eingenäht, sodann auf einen Leiterwagen gebart und der Ehefrau zugeführt, die sich gerade auf einem Bittgang nach Martental befindet.

 1915: Stephan Valerius wird als Bürgermeister in Müllenbach genannt. Sein Stellvertreter ist Mathias Josef Gilles. Später im Jahr übernimmt Mathias Josef Gilles die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters. Sein Vertreter wird ein Herr Scheider.

 Am Freitag den 27. März schließt das alte Schuljahr. Am 14. März beginnt das neue Schuljahr.

 Wieder hat die Grube ein Opfer gefordert. 2-3 Wochen vor Ostern verunglückt der Schieferbrecher Hubert Mertes aus Laubach auf der Grube Colonia. Durch herabfallendes Gestein wird er an der rechten Hand erheblich verletzt. Ein Finger wird abgeschlagen, 2 andere so beschädigt, dass sie lahm werden. Mertes weilt längere Zeit in einem Krankenhaus zu Coblenz.

Einen Hausbrand meldet man vom 5. auf den 6. April. Das kleine Gebäude von Nikolaus Brück wird hierbei ein Raub der Flammen.

 Am 13. April verunglückt auf dem Dachschieferwerk " Herrenwiese " der Schieferbrecher Peter Steffes-lay aus Müllenbach. Herabfallende Steine treffen ihn auf den Rücken und Hinterkopf. Die Verletzungen sind schwieriger Natur führen aber nicht zum Tode.

 Da man allgemein befürchtet, dass der Krieg länger dauern wird, versucht man die ältere Jugend schon auf den Soldatendienst vorzubereiten. Es werden Jugendwehrkompanien gebildet, die besonders am Sonntagnachmittag etwas vorgebildet werden sollen. Die Kompanie der Pfarrei Müllenbach zählt 75 Mann. Jedes Mitglied erhält eine Soldatenmütze.

 Die Schiefergruben setzen ihren Betrieb fort, wenn auch mit weniger Arbeitern. Der Absatz geht weiter. Im Dezember 1914 bleibt die Grube Dachschieferwerk Herrenwiese wegen Streitigkeiten unter den Besitzern liegen. Da der Lohn auf den Gruben sich den teuren Lebensverhältnissen nicht anpassen kann, verlassen viele jüngere und noch rüstige ältere Arbeiter die Grubenarbeit und finden Beschäftigung und besseren Lohn im Niederland oder in den Munitionsfabriken, besonders Siegburg und Troisdorf. Auch viele Mädchen finden in diesen Fabriken lohnenden Verdienst. Mehrere junge Leute suchen sich Arbeit bei der Eisenbahn oder Post.

 Kurz vor Ostern werden dem Schieferbrecher Hubertus Mertes aus Laubach durch herabfallendes Gestein auf der Grube Colonia 3 Finger der rechten Hand abgeschlagen.

 Durch herabfallende Steine wird Peter Steffes-lay aus Müllenbach auf der Grube Herrenwiese schwer an Kopf und Rücken verletzt.

 Im September werden die bisher als untauglich zum Militär­dienste erklärten Männer nochmals gemustert. Ein großer Teil von ihnen wird jetzt als diensttauglich befunden.

 1916:Seit Kriegsbeginn hört man vom Herbst bis Mai ständig den Kanonendonner von Verdun her (ca.150km Luftlinie, der Verf.), bald mehr, bald weniger, am besten aber bei leicht gefrorenem, bloßen Boden beim allgemeinen Angriff auf die Forts bei Verdun am 22. Februar und die folgenden Tage. Die Fenster klirren. Die Frauen eilen auf die Straße und gehen mittags nach der alten Martentaler Kapelle beten. Der gewaltigen Kanonendonner ist unheimlich, auch während der Nacht.

 Am Freitag den 14. April schließt das alte Schuljahr. Zu Beginn des neuen Schuljahres, am 1. Mai, besuchen insgesamt 241 Kinder die Volksschule Müllenbach.

 Um Petroleum zu ersparen, werden am 30. April die Uhren alle eine Stunde vorgesetzt, so dass das Tageslicht mehr ausgenützt wird.

 In Müllenbach wird ein Eifelverein gegründet. Die Ortsgruppe nennt sich Müllenbach-Laubach.

 Der Gemeinderat stellt den Antrag, dass die beschlossene Wasserleitung, wo bereits die Quellenfassung „In der Roth und Rothläufgen“ seit dem 29. Januar 1916 vollendet ist, in diesem Jahr gebaut wird.

 Sammlung von Bucheckern angeordnet (Schulkinder) um die Ölnot etwas zu steuern. Etwa 100 kg werden an die königliche Forstverwaltung abgeliefert, je kg 0,60 Mark. Die Hälfte der Sammlung dürfen die Kinder behalten.

 In großes Staunen setzt unsere Bevölkerung die jetzt an den Bahnhöfen in Kaisersesch und in Laubach-Müllenbach häufig zu sehenden weiblichen Schaffner in den Zügen, welche auch Herrenkleidung anlegen.

 Aussaat der Winterfrucht dauert bis November, manche Felder können nicht mehr bestellt werden. Letzte Oktoberwoche  – 5 Grad, jedoch nur kurzfristig, Anfang November nochmals Kälte dann wieder milder und Regen bis Ende des Jahres.

 Am 4. Dezember setzte, das von Seiner Majestät, angeordnete Glockengeläute aus Anlass des Sieges bei Argesul die ganze Gemeinde in großen Jubel. Viele vermuten sogar die Friedens­glocken zu vernehmen.

 1917:Der Winter 1916/17 ist einer der strengsten, den man  seit langen Jahren erlebt hat. Die Durchschnittskälte betrug im Januar 15-20 Grad. Am Morgen des 2. Februar zeigt das Thermometer 25°-. Der Schnee liegt 40 - 50 cm hoch. Mitte Februar tritt vorübergehend Tauwetter ein. Vom 20. Februar ab haben wir wieder erneut Kälte und heftigen Schneefall. Im Bereich des 8. Armeekorps werden wegen Kohlemangels sämtliche Schulen vom 7.-17. Februar geschlossen.

 18.06: Peter Klasen (Hieste Pitter), 18 Jahre alt, wird beim Klee mähen auf der Nick vom Blitz erschlagen. Der Blitz schlägt ihm direkt in den Kopf. Der Hut den er trägt, wird in viele Streifen zerfetzt, er befindet sich heute (2005) noch im Besitz der Nachkommen des Peter Klasen, der Fam. Jäger in Müllenbach.

 Ende Juli gehen die beiden kleinen Glocken der Pfarrkirche „Ave Maria" und „hl. Barbara" (die kleinsten) in den Krieg. Sie werden für die Produktion von Munition und Waffen benötigt.

 Mai, Juni, Juli warm, wenig Regen, daher schlechtes Wachstum.

 Im Sommer 1917 wird auch Müllenbach wie die umliegenden Dörfer von Städtern, die Lebensmittel aufkaufen wollen, überschwemmt. Dieselben bieten oft unerhört hohe Preise. Es sollen schon für 1 Pfund Butter 7 M bezahlt worden sein.

 Vom 3. bis 17.  Juli sind die 3 oberen Schuljahre beurlaubt, um an der Feldarbeit teilzunehmen. Die Herbstferien werden 10 Tage verlängert, damit die Kinder beim Kartoffeln einernten mithelfen können.

 Herbstwetter gut für Ernte und Aussaat, Winter bis Neujahr mild, Kartoffeln gut, Preis je Zentner 6,50 Mark, Obst und Gemüse ebenfalls gut.

 Weimarer Republik (1918 – 1933)

 

 1918: Winter 1917/18. Schon im November hatten wir heftigen Schneefall. Auch während des Dezembers hält diese Witterung an.  Im Januar dagegen tritt in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar plötzlich Tauwetter ein. Von da ab haben wir das schönste Frühlingswetter.

 Es finden Laubsammlungen zur Behebung des Futtermangels an der Front statt. Zuerst sammeln nur Schüler, später auch die Erwachsenen, da pro Zentner Laub 18 Mark bezahlt werden.

 Auffallend viele junge Soldaten sind aus dem Felde beurlaubt, allenthalben hört man von solchen, die nach Beendigung ihres Urlaubs nicht mehr zur Truppe zurückkehren möchten.

 Eine Folge des Krieges sind auch 10-15 Deserteure, die in unserem Gebiet ihr Unwesen treiben. Sie stehlen Hühner, Vieh, Lebensmittel und auch Geld. Vielerorts werden aus Furcht vor den Dieben Nachtwachen aufgestellt. Im Herbst sitzen alle Verbrecher hinter Schloss und Riegel.

 231 Schüler besuchen die Volksschule Müllenbach.

 In der Endert verunglückt am 17. August der aus Laubach stammende und sich auf Fronturlaub befindende Johann Mohr. Er versucht mit einer Handgranate zu Fischen, bei der Explosion wird er getötet.

 Am 11. November wird Waffenstillstand geschlossen. 27. November: Nachts erscheinen in Müllenbach die ersten deutschen Truppen, Garde–Funker. Der Durchzug dauert bis 2. Dezember.

 Gardeartillerie, Stab der 2. Garde-Division, Sächs. Inf. Rgt. Nr. 393, Landwehr Rgt Nr. 118, Westf. Inf. Rgt. Nr. 217, Armierungstruppen. Der Ort ist immer stark belegt, ebenso die Schul- und Wirtssäle. An 2 Sonntagen spielt die Regimentsmusik. Frostwetter begünstigt den Rückzug sehr. Die Soldaten werden aus Feldküchen versorgt. Sie führen lebendes Vieh, Fleisch, Kartoffeln, etc. mit. Die Schule fällt während des Durchmarsches aus und beginnt erst am 5. Dezember wieder.

 9. Dezember, Amerikaner erscheinen, sie nehmen die Schulsäle als Quartier in Besitz und ziehen am 11.12 weiter. Mit ihrem Autopark bringen sie viel Unruhe ins Dorf, da sie sich wohl besonders vernehmbar machen wollen. 15. Dezember, die nächsten Amerikaner erscheinen, beziehen Quartier bis 4. April 1919. Infanterie und Autopark mit 4 Feldküchen. Die Häuser sind stark belegt, jedoch ohne Verpflegung. Am Schulhaus entsteht die größte Unruhe durch die Autos, die Autoschmiede und die Pferde, die im Spritzenheim und im Keller stehen.

 Durst haben die amerikanischen Soldaten wenig, das Wirtshaus dürfen sie nur von 3–5 Uhr besuchen. Ihr Sold ist auch noch nicht sehr hoch, dass ändert sich später.

 An den Zahltagen kaufen sie besonders Andenken von geringem Wert. Sie versuchen auch eiserne Kreuze zu erwerben (10 – 30 Mark).

Chronologische Geschichtsdaten der Gemeinde Müllenbach und ihrer direkten Umgebung. Erstellt und gepflegt durch Dieter Laux. Der Inhalt vorliegender Chronologischer Auflistung entstammt tausenden von Einzelquellen, deren Detailauflistung die Gesamtseitenzahl sprengen würde. Jeder Eintrag ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne vorherige Zustimmung des jeweiligen Verfassers bzw. des Rechteinhabers nicht zu anderen als rein privaten Zwecken verwendet werden. Änderungen dürfen nicht vorgenommen und Vervielfältigungsstücke ohne Genehmigung nicht verbreitet werden.)